Der ist beglückt, der sein darf was er ist, Der Bahn und Ziel nach eignen Augen mißt, Nie sklavisch folgt, oft selbst die Wege weiset, Ununtersucht nichts tadelt und nichts preiset, Und, wenn sein Witz zum Dichter ihn bestimmt, Natur und Zeit zu seinen Führern nimmt.
Der ist beglückt, der sein darf was er ist [...].
Der Wunsch Du holder Gott der süß'sten Lust auf Erden, der schönsten Göttin schöner Sohn! Komm, lehre mich die Kunst, geliebt zu werden; die leichte Kunst zu lieben weiß ich schon. Komm ebenfalls und bilde Phyllis' Lachen, Cythere, gib ihr Unterricht, denn Phyllis weiß die Kunst, verliebt zu machen; die leichte Kunst zu lieben weiß sie nicht.
Der Tag der Freude Ergebet euch mit freiem Herzen Der jugendlichen Fröhlichkeit: Verschiebet nicht das süße Scherzen, Ihr Freunde, bis ihr älter seid. Euch lockt die Regung holder Triebe; Dies soll ein Tag der Wollust sein: Auf! ladet hier den Gott der Liebe, Auf! ladet hier die Freuden ein. Umkränzt mit Rosen eure Scheitel (Noch stehen euch die Rosen gut) Und nennet kein Vergnügen eitel, Dem Wein und Liebe Vorschub tut. Was kann das Totenreich gestatten? Nein! lebend muß man fröhlich sein. Dort herzen wir nur kalte Schatten: Dort trinkt man Wasser, und nicht Wein. Seht! Phyllis kommt: O neues Glücke! Auf! Liebe, zeige deine Kunst, Bereich're hier die schönsten Blicke Mit Sehnsucht und mit Gegengunst. O Phyllis! glaube meiner Lehre: Kein Herz muß unempfindlich sein. Die Sprödigkeit bringt etwas Ehre; Doch kann die Liebe mehr erfreun…
Tochter der Natur, Holde Liebe! Uns vergnügen nur Deine Triebe. Gunst und Gegen-Gunst Geben allen Die beglückte Kunst Zu gefallen.
Die erste Liebe O wie viel Leben, wie viel Zeit Hab' ich, als kaum beseelt, verloren, Eh' mich die Gunst der Zärtlichkeit Begeistert und für dich erkoren! Nun mich dein süßer Kuß erfreut, O nun belebt sich meine Zeit! Nun bin ich erst geboren!
Der Liebe war die Blindheit immer eigen, Daher man ihr, zur steten Führerin, Die Thorheit gab.
Die Hoffnung und die Furcht Es reisten (Wann? Vielleicht zu unsern Zeiten) Die Hoffnung und die Furcht durchs Land. Wie jene leichtlich Freunde fand, So wohnte diese gar bei denen, die sie scheuten. Sogleich verändert sich der Menschen Wahn und Stand. Bald fängt der Mangel an, sich voller Muth zu brüsten, Der Ueberfluß, verzagt zu sein. Warum? Die Hoffnung kehrt beim ärmsten Alchymisten, Die Furcht beim reichsten Wuchrer ein.
Darf ich mir noch ein Glück zum letzten Ziel erlesen; So stell' im Scheiden sich bei mir kein Schrecken ein: Und wie bisher mein Schlaf des Todes Bild gewesen; So müss' auch einst mein Tod dem Schlummer ähnlich sein!
Der Alte Ich werde viel älter und Schwermuth und Plage Droht meiner schon sinkenden Hälfte der Tage: Kaum wallet noch weiter mein zögerndes Herz Bei winkenden Freuden, bei lockendem Scherz. Die schmeichelnde Falschheit der lachenden Erben Verheißt mir das Leben und wünschet mein Sterben: Ein fingernder Doctor besalbt mir den Leib: Bald lärmet der Pfarrer, bald predigt mein Weib. Die warnenden Kenner der Wetter und Winde, Die stündlichen Forscher: Wie ich mich befinde? Die thränenden Augen, die keichende Brust Entkräften den Liebreiz, verscheuchen die Lust. Nun soll mich doch einmal mein Leibarzt nicht stören. Verjüngende Freunde, hier trink ich mit Ehren! Weib, Pfarrer und Erben, nur nicht zu genau! Hier frag' ich nicht Pfarrer, nicht Erben, noch Frau. Im Beisein der Alten verstellt sich die Jugend: Sie trinkt nur bei Tropfen, sie durstet vor Tugend; Ich ehrlicher Alter verstelle mich auch, Bezeche den Jüngling und leere den Schlauch. Mein Auge wird heller: wer höret mich keichen? Ich suche der muthigen Jugend zu gleichen; Und will, auch im Alter, bei Freunden und Wein, Kein Tadler der Freuden, kein Sonderling sein.
Der Alte Der weisheitvolle Greis, der gegenwärtge Zeiten Hofmeisterlich belehrt, der Freund der Schwierigkeiten, Ist hämisch, mißvergnügt, der Erben Trost und Last, Und hoffet, scherzt und liebt so frostig, als er haßt: Nichts rührt sein schlaffes Herz, als kluge Münzgesetze, Des Reichthums Majestät, die Heiligkeit der Schätze, Die er mit List, mit Furcht, die ihn zum Sklaven macht, Erwuchert, sammlet, zählt, umarmt, versteckt, bewacht, Verehrt, verschont, beseufzt. Scharf, und wie Schiffer pflegen, Sieht er nach Luft und Wind, und wittert Sturm und Regen, Scheut so den kürzesten, als längsten Tag im Jahr, Den Frühling, wie den Herbst, lebt mäßig wie Cornar, Auch eh' ihm noch der Arzt die Hungercur empfiehlet: Bis ihn des Todes Geiz dem schönen Gelde stiehlet.