Friedrich Wilhelm Gotter (1746–1797)

5 Sprüche Aufklärung

Wie der Tag mir schleichet, Ohne dich vollbracht! Die Natur erbleichet, Rings um mich wirds Nacht. Ohne dich hüllt alles Sich in Schwermut ein, Und zur öden Wüste Wird der grünste Hain. Kommt der Abend endlich Ohne dich heran, Lauf ich bang und suche Dich bergab, bergan. Hab ich dich verloren, Bleib ich weinend stehn, Glaub', in Schmerz versunken, Langsam zu vergehn. Wie ich ahnend zittre, Wenn dein Tritt mir schallt! Wenn ich dich erblicke, Wie das Blut mir wallt! öffnest du die Lippen, Klopft mein ganzes Herz, Deiner Hand Berühren Reißt mich himmelwärts.

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Ach! Was ist die Liebe Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Sorgenlos, wie Kinder, Führt sie uns durchs Leben. Unser ganzes Leben flieht Mit ihr geschwinder, Als uns ohne Liebe Sonst ein Tag verging! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Mut gibt sie zur Arbeit, Hilft sie uns verrichten, Eine Blumenkette Werden unsre Pflichten, Und am Thron der Liebe Hängt der Kette Ring. Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding! Unsre Seele hebet Sich auf ihrem Flügel, Unsre Seele schwebet, Treu von ihr belebet, Über Tal und Hügel, Gleich dem Schmetterling. Ach! was ist die Liebe Für ein süßes Ding!

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Ist's ein Traum? Haben kaum Sich gefunden, Und schon sind, So geschwind, Als der Wind Beyder Herzen Auch verbunden! – Wie sie scherzen! Schmachtend blicken! Sich die Hände Voll Entzücken Feurig drücken! Macht ein Ende! Ha, vor Neide Werd' ich blind! –

Gotter, Die Geisterinsel. Opernlibretto, uraufgeführt 1798. 2. Akt, 13. Auftritt. Originaltext

Hoffend zu schauen, lindert den Schmerz.

Gotter, Die Geisterinsel. Opernlibretto, uraufgeführt 1798

Mütterliche Mahnung Selbst die glücklichste der Ehen, Tochter, hat ihr Ungemach, Selbst die besten Männer gehen Öfters ihren Launen nach. Wer sich von dem goldnen Ringe Goldne Tage nur verspricht; O, der kennt den Lauf der Dinge Und das Herz des Menschen nicht! Manche wirft sich ohne Sorgen In des Gatten Arm, wie du, Und beweint am andern Morgen Ihre Freiheit, ihre Ruh. Aus dem Sklaven ihrer Blicke Wird ein mürrischer Tyrann; Banger Kummer folgt dem Glücke, Das mit ihrem Traum zerrann. Doch dein Glück dir selbst zu schaffen, Tochter, steht in deiner Hand: Die Natur gab dir die Waffen, Gab dir Sanftmut und Verstand. Lerne deines Gatten Herzen Liebevoll entgegen gehn, Leichte Kränkungen verschmerzen, Kleine Fehler übersehn.

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