Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854)

11 Sprüche Klassik

Glückseligkeit ist ein Zustand der Passivität; je glückseliger wir sind, desto passiver verhalten wir uns gegen die objektive Welt. Je freier wir werden, je mehr wir uns der Vernunftmäßigkeit annähern, desto weniger bedürfen wir der Glückseligkeit, d. h. einer Seligkeit, die wir nicht uns selbst, sondern dem Glück verdanken.

Schelling, Philosophische Briefe über Dogmatismus und Kriticismus, 1795. 8. Brief

Dies ist das Geheimnis der Liebe, daß sie solche verbindet, deren jedes für sich sein könnte und doch nicht ist, und nicht sein kann ohne das andere.

Schelling, Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit, 1809

Die Liebe aber ist das Höchste.

Schelling, Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit, 1809

Die Erregung des Eigenwillens geschieht nur, damit die Liebe im Menschen einen Stoff oder Gegensatz finde, darin sie sich verwirkliche.

Schelling, Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit, 1809

Niemand geht so rein durch seine Zeit, daß sich ihm nicht Vieles anhängt, was seinem eigentlichen Wesen gar nicht angehört.

Schelling, F. W. J., Briefe. An Atterbom, 28. Januar 1819

Nichtwirsind in der Zeit, sondern die Zeit – oder vielmehr nicht sie, sondern die reine absolute Ewigkeit istin uns!

Schelling, Philosophische Briefe über Dogmatismus und Kriticismus, 1795

DasIch denke, Ich bin, ist, seit Cartesius, der Grundirrtum in aller Erkenntnis; das Denken ist nicht mein Denken, und das Sein nicht mein Sein, denn alles ist nur Gottes oder des Alls.

Schelling, Aphorismen zur Einleitung in die Naturphilosophie, 1805

Es gibt keine höhere Offenbarung weder in Wissenschaft noch in Religion oder Kunst als die der Göttlichkeit des Alls: Ja, von dieser Offenbarung fangen jene erste an und haben Bedeutung nur durch sie.

Schelling, Ideen zu einer Philosophie der Natur als Einleitung in das Studium dieser Wissenschaft, 1797

Um Wahrheit zu finden, mußt du ein Prinzip aller Wahrheit haben: setze es so hoch als du willst, es muß doch im Lande der Wahrheit liegen, im Lande, das du erst suchen willst. Wenn du aber alle Wahrheit durch dich selbst hervorbringst, wenn der letzte Punkt, an dem alle Realität hängt, das Ich ist, und dieses nur durch sich selbst und für sich selbst ist, so ist alle Wahrheit und alle Realität dir unmittelbar gegenwärtig. Du beschreibst, indem du dich selbst als Ich setzt, zugleich die ganze Sphäre der Wahrheit, der Wahrheit, die nur durch dich und für dich Wahrheit ist. Alles ist nur im Ich und für das Ich.

Schelling, Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen, 1795

Was wahr ist, ist wie das, was an sich selbst recht und schön ist, seiner Natur nach ewig, und hat mitten in der Zeit kein Verhältnis zu der Zeit.

Schelling, Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums, 1803. 2. Über die wissenschaftliche und sittliche Bestimmung der Akademien

Die höchste Verwicklung entsteht durch die Kollision der Staaten untereinander, und das höchste Phänomen der nicht gefundenen und nicht zu findenden Einheit ist der Krieg, der so notwendig ist als der Kampf der Elemente in der Natur.

Schelling, Stuttgarter Privatvorlesungen, 1810