Georg Büchner (1813–1837)

12 Sprüche Romantik

Ein sonderbares Ding um die Liebe. Man liegt ein Jahr lang schlafwachend zu Bette, und an einem schönen Morgen wacht man auf, trinkt ein Glas Wasser, zieht seine Kleider an und fährt sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich und besinnt sich. – Mein Gott, wieviel Weiber hat man nötig, um die Skala der Liebe auf und ab zu singen? Kaum daß eine einen Ton ausfüllt. Warum ist der Dunst über unsrer Erde ein Prisma, das den weißen Glutstrahl der Liebe in einen Regenbogen bricht?

Büchner, Leonce und Lena, 1836

Weißt du auch, Valerio, daß selbst der Geringste unter den Menschen so groß ist, daß das Leben noch viel zu kurz ist, um ihn lieben zu können?

Büchner, Leonce und Lena, 1836. 3. Akt, 1. Szene, Leonce

Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!

Büchner, Dantons Tod, 1835

Das Leben ist nicht die Arbeit wert, die man sich macht, es zu erhalten.

Büchner, Dantons Tod, 1835. 2. Akt, Danton

Das heißt Leben und Liebe eins sein lassen, daß die Liebe das Leben ist und das Leben die Liebe.

Büchner, Leonce und Lena, 1836. Paralipomena

Man könnte das Leben ordentlich wieder liebhaben, wie sein Kind, wenn man sich's selbst gegeben.

Büchner, Dantons Tod, 1835. Dritter Akt. Laflotte

Unser Leben ist der Mord durch Arbeit; wir hängen fünfzig Jahre lang am Strick und zappeln; aber wir werden uns losschneiden.

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Auf der Welt ist kein Bestand, Wir müssen alle sterben, Das ist uns wohlbekannt!

Büchner, Woyzeck, 1836/37. Erste Fassung. Szenengruppe 2. Szene 3. Alter Mann. Kind

Ich werde mit Mut zu sterben wissen; das ist leichter, als zu leben.

Büchner, Dantons Tod, 1835

Der Tod äfft die Geburt; beim Sterben sind wir so hilflos und nackt wie neugeborne Kinder.

Büchner, Dantons Tod, 1835. Originaltext

O Himmel, man kommt leichter zu seiner Erzeugung als zu seiner Erziehung.

Büchner, Leonce und Lena, 1836

Ich bin nur in Krieg gegangen, um mich in meiner Liebe zum Leben zu befestigen.

Büchner, Woyzeck, 1836/37