Georg Friedrich Daumer (1800–1875)

14 Sprüche Klassik

Verzicht', o Herz, auf Rettung, Dich wagend in der Liebe Meer! Denn tausend Nachen schwimmen Zertrümmert am Gestad' umher!

Daumer, Polydora, ein weltpoetisches Liederbuch, 2 Bde., 1855. Türkisch

Der Verzweifelte Nicht mehr zu dir zu gehen, Beschloss ich und beschwor ich, Und gehe jeden Abend, Denn jede Kraft und jeden Halt verlor ich. Ich möchte nicht mehr leben, Möcht augenblicks verderben, Und möchte doch auch leben Für dich, mit dir, und nimmer, nimmer sterben. Ach rede, sprich ein Wort nur, Ein einziges, ein klares, Gib Leben oder Tod mir, Nur dein Gefühl enthüllle mir, dein wahres!

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Wer kein geliebtes Wesen In seine heißen Arme schleußt, Der ist, so viel er prahle, Ein Körper ohne Seel' und Geist.

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Ich mühte mich, ein Stein zu sein, Von dumpfer Zelle Nacht umfangen; Was half es, ach, da aus dem Stein Der Liebe helle Funken sprangen?

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O harte Sterne! Nie versöhnte, rauhe Welt! Kaum rastet einmal seelig in der Liebe Zelt Das müde Herz, von sehnlicher Begier geschwellt, – Da, horch, der Karawanenglocke Stimme gellt, Und wieder in das weite, wüste, wilde Feld Des Lebens ist die heißbethränte Fahrt gestellt.

Daumer, Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte, nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern, 1846. Originaltext

Ein solcher ist mein Freund, Ein solcher ist mein Buhle, Ein einziger, erlesener Aus sämmtlicher Männer Schaar: Wie ein Rabe, so schwarz sein Haar, Und seine milden Augen Ein Tauben-Augenpaar. Sein Leib, wie Elfenbein, Und wie gehau'n aus Marmor Der Schenkel Prachtgebilde, Wie Lüfte, die gelinde Hinsäuseln über Rosen, Sind seine Minnegrüße, Wie des Honiges Seim an Süße Die Küsse, die er beut, Sein ganzes Sein und Wesen Nur Glück und Seligkeit.

Daumer, Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte, nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern, 1846. Poetische Zugaben. Hebräisch aus dem hohen Lied. Originaltext

Für die Liebe sind geschaffen Dieser Welt geschmückte Hallen; Es bezeugen's aller Orten Rosen uns und Nachtigallen. Dennoch, ach, mit Pfeil und Bogen Droh'n der Liebe tausend Schützen, Und gelegt sind ihrem Fuße Schlingen und verborgne Fallen. Eine Stunde lachte gestern, Die der Sterne Gunst geboren, Denn es ruht' auf mir dein Auge Mit gelindem Wohlgefallen. Doch es wachten Schlangenaugen, Und, geschreckt von ihrem Blitze, Mußte schmachtend ohne Labe Deine Brust und meine wallen.

Daumer, Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte, nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern, 1846

Als einst von deiner Schöne, O meine süße Wonne, Ein Strahl entzückter Ahnung Durch alle Himmel hin, Durch die nun erst erhellten, Sich breitete – geboren Ward eine neue Gottheit; Die Liebe war's, der Herzen Gewaltige Königin. Und über den Himmel schwang sie Den flammensprüh'nden Zepter Mit ihrer stolzen Hand; Allein die Engel standen Inmitten ihrer Feuer Eiskalt und unentbrannt. Da faßte Zorn die Göttin; Sie flog zur Erde nieder, Zu fühlender Menschen Herzen Die Fittige gewandt. Seit jenem Tage sprühen, Seit jenem Tage glühen Die Flammen ihres Zepters Durch alles ird'sche Land.

Daumer, Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte, nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern, 1846

Die Welt, sie wird dich schlecht begaben, Glaube mir's! Wofern du willst ein Leben haben – Raube dir's!

Daumer, Hafis. Neue Sammlung, 1852

Wohl hatt' ich eine schöne Zeit, Wohl eine Zeit, in der ich lebte, In der ich Lieb' und Seligkeit An hold gegönntem Munde bebte. Kein Leben war das Übrige, Nur sinnberaubte, dumpfe Leere, Nur eine Zeit, in welcher ich Das leere Nichts, den Tod erlebte.

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Drei Dinge kehren nie: Der Pfeil, der abgeschossen, Das ausgesprochne Wort, Die Tage, die verflossen.

Daumer, Mahomed und sein Werk. Eine Sammlung orientalischer Gedichte, 1848. XLI. Omar spricht

Wehe, Lüftchen, lind und lieblich Um die Wange der Geliebten, Spiele zart in ihrer Locke, Eile nicht, hinwegzuflieh'n! Tut sie dann vielleicht die Frage, Wie es um mich Armen stehe, Sprich: "Unendlich war sein Wehe, Höchst bedenklich seine Lage; Aber jetzo kann er hoffen, Wieder herrlich aufzuleben, Denn du, Holde, denkst an ihn."

Daumer, Hafis. Neue Sammlung, 1852

Sollte mich in plötzlichem Ruin Feuerblick und heitre Laune flieh'n, Sollte sich durch Ader und Gebein Bange Qual und dumpfe Schwere zieh'n, Nicht, o nicht mit herben Ärzenei'n, Denn ich hasse diese Medicin, Kommt zu mir mit einem Becher Wein, Kommt Laute, Flöte, Tamburin! Wirket das zu wenig auf mich ein, Kommt mit einem süßen Mundrubin! Wird umsonst auch diese Mühe sein – Dann Ade! dann sprich: Begrabet ihn!

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Wenn einmal nur erscholl das rechte Wort, So tönt es unvertilgbar fort und fort. Und wär' es auch nach Hunderten von Jahren, Sein Tag erscheint dem ausgesprochenen Wahren.

Daumer, Andeutung eines Systems speculativer Philosophie, 1831