Georg Herwegh (1817–1875)

14 Sprüche Romantik

Die Liebe ist ein Edelstein, Sie brennt jahraus, sie brennt jahrein, Und kann sich nicht verzehren; Sie brennt, solang noch Himmelslicht In eines Menschen Aug sich bricht, Um drin sich zu verklären. Und Liebe hat der Sterne Macht, Kreist siegend über Tod und Nacht, Kein Sturm, der sie vertriebe! Und blitzt der Haß die Welt entlang, Sie wandelt sicher den alten Gang, Hoch über den Wolken, die Liebe!

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Ist ein Herz zu eigen … Und Liebe hat der Sterne Macht, kreist siegend über Tod und Nacht, kein Sturm, der sie vertriebe! Und blitzt deren Haß die Welt entlang, so wandelt ihren alten Gang hoch über den Wolken die Liebe.

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Ich habe mich oft und lange gegen die Liebe gewehrt; nun hat mich's gepackt, nun will ich auch von keiner Teilung meines Wesens zwischen der Welt und meiner Liebe wissen, nun will ich lieben, nichts als lieben […], bis zum Wahnsinn lieben, Dich, Dich, mein Schatz!

Herwegh, G., Briefe. An Emma Siegmund, seine spätere Frau, am 26. Januar 1843

Wir leben zugleich in einer doppelten Atmosphäre, in einer sinnlichen und in einer übersinnlichen.

Herwegh, Gedichte und kritische Aufsätze aus den Jahren 1839 und 1840, 1845. Literatur und Volk

Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will.

Herwegh, G., Gedichte. Aus: Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, 1863

Achtzehnter März Achtzehnhundert vierzig und acht, Als im Lenze das Eis gekracht, Tage des Februar, Tage des Märzen, Waren es nicht Proletarierherzen, Die voll Hoffnung zuerst erwacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert vierzig und acht, Als du dich lange genug bedacht, Mutter Germania, glücklich verpreußte, Waren es nicht Proletarierfäuste, Die sich ans Werk der Befreiung gemacht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert vierzig und acht, Als du geruht von der nächtlichen Schlacht, Waren es nicht Proletarierleichen, Die du, Berlin, vor den zitternden, bleichen Barhaupt grüßenden Cäsar gebracht Achtzehnhundert vierzig und acht? Achtzehnhundert siebzig und drei, Reich der Reichen, da stehst du, juchhei! Aber wir Armen, verkauft und verrathen, Denken der Proletarierthaten – Noch sind nicht alle Märze vorbei, Achtzehnhundert siebzig und drei.

Herwegh, G., Gedichte. 1873

Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein Bet’ und arbeit’! ruft die Welt, Bete kurz! denn Zeit ist Geld. An die Thüre pocht die Noth – Bete kurz! denn Zeit ist Brot. Und du ackerst und du säst, Und du nietest und du nähst, Und du hämmerst und du spinnst – Sag, o Volk, was du gewinnst! Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht, Schürfst im Erz- und Kohlenschacht, Füllt des Ueberflusses Horn, Füllst es hoch mit Wein und Korn. Doch wo istdeinMahl bereit? Doch wo istdeinFeierkleid? Doch wo istdeinwarmer Herd? Doch wo istdeinscharfes Schwert! Alles ist dein Werk! o sprich, Alles, aber Nichts für dich! Und von Allem nur allein, Die du schmiedst, die Kette, dein? Kette, die den Leib umstrickt, Die dem Geist die Flügel knickt, Die am Fuß des Kindes schon Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn. Was ihr hebt an’s Sonnenlicht, Schätze sind es für den Wicht; Was ihr webt, es ist der Fluch Für euch selbst – ins bunte Tuch. Was ihr baut, kein schützend Dach Hat’s für euch und kein Gemach; Was ihr kleidet und beschuht, Tritt auf euch voll Uebermuth. Menschenbienen, die Natur, Gab sie euch den Honig nur? Seht die Drohnen um euch her! Habt ihr keinen Stachel mehr? Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will. Deiner Dränger Schaar erblaßt, Wenn du, müde deiner Last, In die Ecke lehnst den Pflug, Wenn du rufst: Es ist genug! Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Noth der Sklaverei! Brecht die Sklaverei der Noth! Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Herwegh, G., Gedichte. 1863

Jede Zeit hat nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch ihre eigene Ansicht von der früheren Geschichte. Die Vergangenheit hat in jedem Jahrhundert einen neuen Sinn.

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Ich möchte hingehn wie das Abendrot Und wie der Tag in seinen letzten Gluten – O leichter, sanfter, ungefühlter Tod! – Mich in den Schoß des Ewigen verbluten. Ich möchte hingehn wie der heitre Stern, Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken; So stille und so schmerzlos möchte gern Ich in des Himmels blaue Tiefen sinken. Ich möchte hingehn wie der Blume Duft, Der freudig sich dem schönen Kelch entringet Und auf dem Fittich blütenschwangrer Luft Als Weihrauch auf des Herren Altar schwinget. Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal, Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken; O wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl, Auch meine lebensmüde Seele trinken! Ich möchte hingehn wie der bange Ton, Der aus den Saiten einer Harfe dringet, Und, kaum dem irdischen Metall entflohn, 20 Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust erklinget. Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot, Du wirst nicht stille wie der Stern versinken, Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod, Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken. Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur, Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen, Sanft stirbt es einzig sich in der Natur, Das arme Menschenherz muß stückweis brechen.

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Ich möchte hingehn wie das Abendrot…

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Auf jedes Menschen Angesicht Liegt leise dämmernd ausgebreitet Ein sanfter Abglanz von dem Licht Des Sternes, das sein Schicksal leitet.

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Die Emancipation des Weibes ist die Ehe; durch die letztere wird es auch dem Schicksal seiner Nation einverleibt.

Herwegh, Gedichte und kritische Aufsätze aus den Jahren 1839 und 1840, 1845. Karl Rosenkranz

Reißt die Kreuze aus der Erden! Alle sollen Schwerter werden, Gott im Himmel wird's verzeihn.

Herwegh, Gedichte eines Lebendigen, 1841-43. Aus: Aufruf

Es gibt für den charakterfesten Mann kein überzeugenderes Mittel, daß er das rechte getroffen, als wenn ein gewisses Gesindel darüber vor Ärger fast bersten möchte.

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