Husten, Liebe, Feuer, Sorgen, halten sich nicht lang verborgen.
Ohn lieb nichts dan leid Eh ich war liebend und geliebet, war mein herz niemal on verdruß, mein leben war allzeit betrübet, mein aug und herz voll finsternus: nichts mich damal mit trost erlabet, noch einiges wollusts begabet. Nun ist es mit mir anders worden, dan sidher ich lieb hab und bin und mich befind in der lieb orden, so ist all mein verdruß dahin: die lieb mich stets mit trost erlabet und ihres liechts und lusts begabet. Die schönheit, deren alles weichet, die mir und deren ich herzlieb, durch ihre lieb mich so bereichet, daß mir der himmel niemal trüb: mit ihrer kraft sie mich erlabet und alles guts und muts begabet. Der früling bring wind oder regen, der sommer sei voll hitz und staub, wie tief der winterschnee gelegen und in dem herbst fall frucht und laub: so bleib doch reichlich ich begabet und allzeit durch die lieb erlabet. Das erdreich mag zerspringend beben, der luft schieß dunder, stral und blitz, das meer mag seine flut erheben und netzen gar der sternen sitz: so bleib ich reichlich doch begabet und von der lieb mit lieb erlabet. Das volk mag schwören, spilen, saufen, die fürsten schänden gleich das land, die ganze welt fall gleich zu haufen voll krieg, untreu, blut, greuel, schand: so bleib doch reichlich ich begabet, von meiner süßen lieb erlabet.
Schönheit nicht wehrhaft Laßt uns in den Garten gehen, Schönes Lieb, damit wir sehen, Ob der Blumen Ehr, die Ros, So eure Farb gezeiget, Da sie heut der Tau aufschloß, Ihre Pracht noch nicht abneiget. Sieh doch, von wie wenig Stunden Ihre Schönheit überwunden, Wie zu Grund liegt all ihr Ruhm! Wie sollt man, Natur, dich ehren, Da du ein solch Blum Einen Tag kaum lasset wehren? Was ist es dann, daß ihr fliehet, Indem euer Alter blühet, Von meinet Lieb Süßigkeit? Ach, genießet eurer Jahren! Die Zeit wird eure Schönheit Nicht mehr, dann die Rosen sparen.
Wer will vergnüglich alten, soll mit niemand Feindschaft, mit jedermann Freundschaft, mit wenigen Gemeinschaft, mit vielen Kundschaft halten und lassen Gott dann walten.