Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831)

20 Sprüche Klassik

Liebe heißt überhaupt das Bewußtsein meiner Einheit mit einem anderen, so daß ich für mich nicht isoliert bin, sondern mein Selbstbewußtsein nur als Aufgebung meines Fürsichseins gewinne [...].

Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, 1821. Dritter Teil. Die Sittlichkeit. Erster Abschnitt. Die Familie. § 158. Zusatz

In der Materie waltet ewiges tägliches Werden, aus Nichtsein erwächst zunächst nur Werden.

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Man muss seinen Freunden so wenig als möglich beschwerlich fallen.

Hegel, Philosophische Propädeutik, 1808-11. Erster Kursus. Unterklasse. Rechts-, Pflichten-, und Religionslehre. Zweiter Abschnitt. Pflichtenlehre oder Moral. IV. Pflichten gegen Andere. §67

Die Freundschaft [...] hat die Jugend vornehmlich zu ihrem Boden und zu ihrer Zeit.

Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, 1835-38 (posthum). II. Entwicklung des Ideals zu den besonderen Formen des Kunstschönen. III. Die romantische Kunstform. II. Das Rittertum. 3. Die Treue

Dies ist das unendliche Recht des Subjekts, daß es sich selbst in seiner Tätigkeit und Arbeit befriedigt findet.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837 (posthum). Einleitung

Das Beste in der Welt ist das, was der Gedanke hervorgebracht hat.

Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, 1833-36 (posthum)

Man muß damit anfangen, Gedanken anderer auffassen zu können.

Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, 1833-36 (posthum). Erster Teil: Griechische Philosophie. Erster Abschnitt. Von Thales bis Aristoteles. Erstes Kapitel. Von Thales bis Anaxagoras. B. Pythagoras und die Pythagoreer

Die Religiosität, die Sittlichkeit eines beschränkten Lebens – eines Hirten, eines Bauern, in ihrer konzentrierten Innigkeit und Beschränktheit auf wenige und ganz einfache Verhältnisse des Lebens, hat unendlichen Wert und denselben Wert als die Religiosität und Sittlichkeit einer ausgebildeten Erkenntnis und eines an Umfang der Beziehungen und Handlungen reichen Daseins.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837 (posthum). Einleitung

In dem Felde der Endlichkeit ist die Bestimmung, daß jeder bleibt, was er ist; hat er Böses getan, so ist er böse: das Böse ist in ihm als seine Qualität. Aber schon in der Moral, noch mehr in der Sphäre der Religion wird der Geist als frei gewußt, als affirmativ in sich selbst, so daß diese Schranke an ihm, die bis zum Bösen fortgeht, für die Unendlichkeit des Geistes ein Nichtiges ist: der Geist kann das Geschehene ungeschehen machen; die Handlung bleibt wohl in der Erinnerung, aber der Geist streift sie ab.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, gehalten 1821-31. Dritter Teil. Die absolute Religion. Das Reich des Sohnes

Ein Hauptmoment der Erziehung ist die Zucht, welche den Sinn hat, den Eigenwillen des Kindes zu brechen, damit das bloß Sinnliche und Natürliche ausgereutet werde.

Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, 1821. Dritter Teil. Die Sittlichkeit. Erster Abschnitt. Die Familie. C. Die Erziehung der Kinder und die Auflösung der Familie. § 174. Zusatz

Gott will nicht engherzige Gemüter und leere Köpfe zu seinen Kindern, sondern solche, deren Geist von sich selbst arm, aber reich an Erkenntnis seiner ist, und die in diese Erkenntnis Gottes allein allen Wert setzen.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837 (posthum). Einleitung

Die Vorstellung, welche der Mensch von Gott hat, entspricht der, welche er von sich selbst, von seiner Freiheit hat.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion, gehalten 1821-31. Einleitung. Einteilung

Wahrheit ist es, vor der die Meinung erbleicht.

Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, 1833-36 (posthum). Einleitung. A. Bestimmung der Geschichte der Philosophie. 1. Gewöhnliche Vorstellungen über die Geschichte der Philosophie. a. Die Geschichte der Philosophie als Vorrat von Meinungen

Das Wahre ist das Ganze.

Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807. Vorrede

Wir müssen überzeugt sein, daß das Wahre die Natur hat, durchzudringen, wenn seine Zeit gekommen, und daß es nur erscheint, wenn diese gekommen, und deswegen nie zu früh erscheint noch ein unreifes Publikum findet.

Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807. Vorrede

Was wahr ist, ist ewig an und für sich, nicht gestern und nicht morgen, sondern schlechthin gegenwärtig, »Itzt« im Sinne der absoluten Gegenwart. In der Idee ist, was auch vergangen scheint, ewig unverloren.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte, erstmals gehalten 1822/23

Nur aus diesem Irrtum geht die Wahrheit hervor und hierin liegt die Versöhnung mit dem Irrtum und mit der Endlichkeit.

Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, 1817. Erster Teil. Die Wissenschaft der Logik. 3. Abteilung: Die Lehre vom Begriff. B. Das Objekt. c. Teleologie. § 212. Zusatz

Die Wahrheit ist Übereinstimmung des Begriffs mit seiner Gegenständlichkeit. Im Urteil fängt diese Darstellung des Begriffs und seiner Gegenständlichkeit, somit das Gebiet der Wahrheit, an.

Hegel, Philosophische Propädeutik, 1808-11. Dritter Kursus. Oberklasse. Begriffslehre und philosophische Enzyklopädie. Erste Abteilung. Begriffslehre. Erster Abschnitt. Begriffslehre. II. Urteil. §13

Zum Handeln gehört wesentlich Charakter, und ein Mensch von Charakter ist ein verständiger Mensch, der als solcher bestimmte Zwecke vor Augen hat und diese mit Festigkeit verfolgt.

Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, 1817. Erster Teil. Die Wissenschaft der Logik. Vorbegriff. Näherer Begriff und Einteilung der Logik. § 80. Zusatz

Glücklich ist derjenige, welcher sein Dasein seinem besonderen Charakter, Wollen und Willkür angemessen hat und so in seinem Dasein sich selbst genießt.

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837 (posthum). Einleitung