Gerhard von Amyntor (1831–1910)

4 Sprüche Romantik

Das anthropologische Grundgesetz heißt: Es gibt und wird immer eine Majorität von Menschen geben, die nicht erlöst sein will. Das Glück läßt sich nicht dekretieren, nicht mit Gewalt einführen; der Mensch scheut den Zwang, auch den Zwang zur Zufriedenheit.

Amyntor, Aus der Mappe eines Idealisten, o.J. [1885]

Unzweifelhaft giebt es Dinge, die sich heut entschieden nicht schicken, wie sie sich schon vor tausend Jahren nicht geschickt haben und sich in zehntausend Jahren auch nicht schicken werden; aber das, was sich heute schickt, wird sich vielleicht schon morgen nicht mehr schicken oder hat sich gestern noch nicht schicken wollen, und bei einigem Nachdenken entdecken wir, daß das sich Schickende ein ewig Wechselndes ist, abhängig von Land und Leuten, von Klima und Kultur, von Mode und Vorurtheil.

Amyntor, Für und über die deutschen Frauen, 1883. Originaltext

Man verwechselt oft die Wahrheit mit der Formlosigkeit und glaubt, namentlich im gesellschaftlichen Verkehr, sich gelegentlich eine kleine Oekonomie der Wahrheit gestatten zu dürfen, um nur ja nicht plump und formlos zu erscheinen.

Amyntor, Für und über die deutschen Frauen, 1883. Originaltext

Manche Menschen gleichen jenen schlecht gebundenen Büchern, die trotz des gewaltsamsten Öffnens und Auseinanderpressens doch immer wieder von selbst zusammenschlagen. Sie gestatten keinen tieferen Einblick in ihr Herz und Gemüt [...].

Amyntor, Aus der Mappe eines Idealisten, o.J. [1885]