Hoffnung hintergehet zwar, Aber nur, was wankelmütig; Hoffnung zeigt sich immerdar Treugesinnten Herzen gütig! Hoffnung senket ihren Grund In das Herz, nicht in den Mund!
Es gibt bei beiden Geschlechtern solche Raub- und Wechseltiere, die nur dann glücklich sind, wenn sie erst ein fremdes Glück zerstört haben.
Sooft die Sonne aufersteht, Erneuert sich mein Hoffen, Und bleibet, bis sie untergeht, Wie eine Blume offen.
Morgen So oft die Sonne aufersteht, Erneuert sich mein Hoffen Und bleibet, bis sie untergeht, Wie eine Blume offen; Dann schlummert es ermattet Im dunklen Schatten ein, Doch eilig wacht es wieder auf Mit ihrem ersten Schein. Das ist die Kraft, die nimmer stirbt Und immer wieder streitet, Das gute Blut, das nie verdirbt, Geheimnisvoll verbreitet! Solang noch Morgenwinde Voran der Sonne wehn, Wird nie der Freiheit Fechterschar In Nacht und Schlaf vergehn!
Ich werde vertrauend hoffen und immer hoffen, bis meine Augen brechen; und wann dann die Menschen mich auslachen und sagen werden: «Siehe, du hast umsonst gehofft, du stirbst arm und verlassen, wie du geboren wurdest», so werde ich zu ihnen sagen: «Ihr Toren! jetzt geht die Hoffnung erst recht an!»
Es ist auf Erden keine Nacht, Die nicht noch ihren Schimmer hätte!
Schein und Wirklichkeit 1. In Mittagsglut, auf des Gebirges Grat Schlief unter alten Fichten müd ich ein; Ich schlief und träumte bis zum Abendschein Von leerem Hoffen und verlorner Tat. Schlaftrunken und verwirrt erwacht' ich spat; Gerötet war ringsum Gebüsch und Stein, Des Hochgebirges Eishaupt und Gebein, Der Horizont ein sprühend Feuerrad. Und rascher fühlt' ich meine Pulse gehen, Ich hielt die Glut für lichtes Morgenrot, Erharrend nun der Sonne Auferstehen. Doch Berg um Berg versank in Schlaf und Tod. Die Nacht stieg auf mit frostig rauhem Wehen, Und mit dem Mond des Herzens alte Not. 2. So manchmal werd' ich irre an der Stunde, An Tag und Jahr, ach, an der ganzen Zeit; Es gärt und tost, doch mitten auf dem Grunde Ist es so still, so kalt, so zugeschneit; Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut, Die Zukunft preisend mit beredtem Munde? Es rollt heran und schleudert, o wie weit! Euch rückwärts. – Ihr versinkt im alten Schlunde. Doch kann ich nie die Hoffnung ganz verlieren, Sind auch noch viele Nächte zu durchträumen, Zu schlafen, zu durchwachen, zu durchfrieren! So wahr erzürnte Wasser müssen schäumen, Muss, ob der tiefsten Nacht, Tag triumphieren, Und sieh: Schon bricht es rot aus Wolkensäumen!
Wann dann zwischen dreihundertfünfundsechzig Regentagen des Leidens nur ein Sonnentag der heiteren Freude und des Mutes hervorlacht, so will ich alle jene Regentage vergessen und mein dankbares Auge nur auf diesen sonnigen Freudentag heften und den Herren preisen, daß er mir wenigstens diesen gegeben hat.
Ich werde tabula rasa machen (oder es ist vielmehr schon geschehen) mit allen meinen bisherigen religiösen Vorstellungen bis ich auf dem Feuerbachschen Niveau bin.
Der Mensch rechnet immer das, was ihm fehlt, dem Schicksal doppelt so hoch an wie das, was er besitzt.
Dann habe ich mich auch überzeugt, daß nur rauhe Bewegung und wechselvolles Geschick einen tüchtigen, d. h. nach allen Seiten hin tüchtigen Charakter hervorbringen kann. Darum leben hoch Ebbe und Flut, Freude und Leid, Glück und Elend!
Aber wehe einem jeden, der nicht sein Schicksal an dasjenige der öffentlichen Gemeinschaft bindet, denn er wird nicht nur keine Ruhe finden, sondern dazu noch allen inneren Halt verlieren und der Mißachtung des Volkes preisgegeben sein, wie ein Unkraut, das am Wege steht.
Wenn ich auch keine gelehrte Erziehung genossen habe, so ersetzt mir die Schule eines bewegten Lebens dasjenige, was sich nicht nachholen läßt.
Ein Kind von der allgemeinen Erziehung auszuschließen heißt, seine innere Entwicklung und sein geistiges Leben zu köpfen.
Zu ungetilgter Arbeitsfähigkeit und ungetrübter Forschungslust gesellt sich ein anderer und höherer Vorzug: der zusamt mit dem Alter wachsenden und gefestigten freien Gesinnung.
Gott schien mir nicht geistlich, sondern ein weltlicher Geist, weil er die Welt ist und die Welt in ihm; Gott strahlt von Weltlichkeit.
Unsere Seele muß, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln. Der moralische Mensch hat so gut seine Respiration wie der physische, und nur durch dieselbe bleiben wir lebendig.
Das Menschenleben ist eine fortgehende Schule. Der Staatsmann wie der Bauer muß jeden Morgen die Erfahrung von gestern sammeln, das Verbrauchte umwenden und erneuern; unsere Seele muß, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln.
Jede Not ist ein Maßstab für den Charakter der Männer und mithin für die Verfassung, die für sie taugt.
Es ist doch sonderbar, wie auch der vortrefflichste Mensch schlechte Eigenschaften haben muß, gleich einem stolz segelnden Schiffe, welches Ballast braucht, um zu seiner guten Fahrt gehörig schwer zu sein.
Dagegen ist gewiß, daß noch jetzt jeder, der etwas Rechtes will und kann, in der Regel auch ein anständiger und wohlwollender Gesell ist, der nach getaner Arbeit sein kluges Pfeifchen in Ruhe zu rauchen versteht und nicht immer von bösen Mücken geplagt ist.