Gottlieb Konrad Pfeffel (1736–1809)

11 Sprüche Aufklärung

Das Duell Um eine Ziege balgten sich Zwei Böcke, warm von Herz und Stirne. Der Kampf war lang und fürchterlich Zum Glück erschien zuletzt die Dirne Und rief: Ihr Herren, haltet ein; Weswegen rauft ihr? "Nur um dich allein!" Um mich? den Streit kann ich entscheiden. Ich liebe keinen von euch beiden.

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Wer sich erhebt, Muß stets in Sorgen schweben; Nur der kann glücklich leben, Der im Verborgnen lebt.

Pfeffel, Poetische Versuche, 3 Bde., 1791/92 (4. vermehrte Auflage in 8 Bänden 1802-05). Aus: Das Grillchen und der Schmetterling

Weinend grüßt du das Erdenrund, Lächelnd küsset dich der Freunde Mund; Lebe so, daß einst du beim Erblassen Lächelnd mögest weinende Freunde lassen!

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Wer jedes Freund sein will, ist niemands Freund.

Pfeffel, Poetische Versuche, 3 Bde., 1791/92 (4. vermehrte Auflage in 8 Bänden 1802-05). Aus: Das Chamäleon und die Vögel

List gegen List fällt oft den schlauesten Feind; Doch mehr als sie nützt uns ein treuer Freund.

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Den beiden Griechen (1772) Zwei Griechen, welche durch das Band Der Sympathie verbrüdert waren, Verließen jung ihr Vaterland Und suchten Glück bei den Barbaren. Das Schicksal trennte sie: Porphyr Kam nach Illyrien, ward Kriegsknecht, Offizier, Spion, Feldmarschall, Großvezier Und kurz, in Zeit von zwanzig Jahren Bestieg er als der Schwiegersohn Des Königs den ererbten Thron. Aret, der nichts von ihm erfahren, Kam als ein armer Philosoph Vom Unglück stets verfolgt, an seines Freundes Hof, Der eben Audienz erteilte. »Was seh' ich, Himmel!« rief Aret Der weinend ihm entgegen eilte, »Porphyr, mein Bruder!« – »Was?« fiel seine Majestät Errötend ihm ins Wort, »hinweg mit diesem Tollen, Der unsern Stand vergißt! Vielleicht hat gar ein Feind Sich hinter ihm verbergen wollen.« »Vergib mir«, sprach Aret. »Ich hätte keinen Freund Auf einem Throne suchen sollen.«

Pfeffel, G. K., Gedichte

Die ganze Weisheit junger Toren ist keinen Tag Erfahrung wert.

Pfeffel, Poetische Versuche, 3 Bde., 1791/92 (4. vermehrte Auflage in 8 Bänden 1802-05)

Nur Weise kann Erfahrung lehren, Die Narren macht sie niemals klug.

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Lernt sterben, sprach im Hospital Ein Mönch zu einem kranken Greise. Was lernen? rief der graue Weise: Man kann es gleich beim erstenmal.

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Ralf, dem sein Weib ganz mörderisch durch ihr Gekreisch die Ohren plagte, sah ein Sirenenbild und sagte: "Mir wär es lieber oben Fisch."

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Der Nebelstern Erst nach Aeonen fällt das Licht Des Nebelsterns aus dunkler Ferne Blaß auf den Erdball. Gleichst du nicht, O Wahrheit! einem Nebelsterne?

Pfeffel, Poetische Versuche, 3 Bde., 1791/92 (4. vermehrte Auflage in 8 Bänden 1802-05)