Guido Peters (1866–1937)

25 Sprüche Realismus

Wie oft müssen wir inneres Glück mit äußerem bezahlen?

Peters, Aphorismen, 1931

Die Liebe gleicht in vielen Fällen einer Tragödie, doch ist schon oft der zweite Akt die Katastrophe.

Peters, Aphorismen, 1931

Wir leben nicht um der Erfüllungen, sondern um der Geheimnisse willen.

Peters, Aphorismen, 1931

Das Feuer des Lebens wärmt die Starken – und verzehrt die Schwachen.

Peters, Aphorismen, 1931

Um Freund zu sein, genügt nicht Gutherzigkeit. Es gehört dazu Geist, Leidenschaft, Genie.

Peters, Aphorismen, 1931

Wo der Alltagsmensch gedankenlos einen Punkt setzt, begnügt sich der Weise mit einem Fragezeichen.

Peters, Aphorismen, 1931

"Vorsicht ist die Mutter der Weisheit" – doch der Vater heißt: Mut!

Peters, Aphorismen, 1931

Verstand erfasst das "Was"; Weisheit dringt in das "Wie", doch selbst die größte ergründet nie das letzte "Warum".

Peters, Aphorismen, 1931

Das Wesen der Weisheit ist innere Belebtheit und äußere Ruhe; das der Dummheit: innere Ruhe und äußeres Lärmmachen!

Peters, Aphorismen, 1931

In den meisten Familien ist man lieber Gast als Mitglied.

Peters, Aphorismen, 1931

Beklagst du dein Schicksal, so denk' an die Schneeflocken: die einen fallen auf einen Berggipfel, die anderen in den Kot!

Peters, Aphorismen, 1931

In der Kindheit staunt man; im Jünglingsalter ahnt man; als Mann glaubt man, zu wissen; als Greis weiß man, dass man nichts weiß – und wird wieder zum Staunenden.

Peters, Aphorismen, 1931

Stellt euch keine Götzen auf! Ihr überseht sonst die – Götter!

Peters, Aphorismen, 1931

Weise antworten langsam, weil sie wissen, wie heilig die Wahrheit ist.

Peters, Aphorismen, 1931

Wenn man Menschen reinen Wein einschenkt, erhält man zum Dank den Schierlingsbecher.

Peters, Aphorismen, 1931

Das Leben mancher Großen gleicht einem Justizmord: Erst nach ihrem Tode kommt die Wahrheit an den Tag.

Peters, Aphorismen, 1931

Stille Wasser sind tief – doch darf man ja nicht glauben, dass sturmbewegte seicht sind.

Peters, Aphorismen, 1931

Im Dunkel des eigenen Selbst schärft sich das Auge für – das Licht anderer.

Peters, Aphorismen, 1931

Das größte und edelste Opfer, das man jemandem bringen kann, ist, dass man ihm in Gegenwart seiner Feinde gerecht wird.

Peters, Aphorismen, 1931

Selig sind diejenigen, welchen eigenes Unglück nicht das Herz für fremdes verhärtet.

Peters, Aphorismen, 1931

Es gibt Menschen, die alles beschmieren, indem sie es berühren.

Peters, Aphorismen, 1931