Ich habe Gott gesucht und fand ihn nicht. Ich schrie empor und bettelte um Licht. Da, wie ich weinend bin zurückgegangen, Faßt's leise meine Schulter: Ich bin hier. Ich habe dich gesucht und bin bei dir. Und Gott ist mit mir heimgegangen.
Wo bist du, Gott? Wo bist du, Gott? Ich hab die Wälder Mit deinem Namen wachgeschrien, Ließ heißaufweinend durch die Felder Nach dir der Stimme Sehnsucht ziehn. Ich hab das Meer gefragt, die Stürme Nach ihrer Heimat Ewigkeit. Ich schrieb ins Glockenerz der Türme, Wie meine Seele nach Dir schreit. Die Frommen fragt ich, mit den Spöttern Hab ich beim Weine dich verlacht, Hab in des Meeres Blitzeswettern Nach dir gefiebert, Meer der Nacht. Mit Beten, Betteln, Grimm und Fluchen, Mit rastlos unerschöpfter Not – Jetzt steh ich still. Wer hilft mir suchen? Hörst du mich nicht? Wo bist du, Gott?
Ich frage dich, Schmerz, ich frage dich, Not, Ich frage dich, rätselumschauerter Tod. Ich frage dich, Gott, ich fasse dein Kleid Und deine starre Herrlichkeit. Ich recke mich zu deinem Thron, Ein verzweifelter, müder Menschensohn. Ich frage mit trotzig knirschendem Mund Dich um der Dinge letzten Grund. Ich frage dich um die Zweifelsqual, Wie Nacht so schwer, wie Nacht so kahl, Um das zagende, nagende Menschenleid, Das zu dir aus tiefster Tiefe schreit. Ich frage dich um die andere Welt, Wenn uns die arme Erde zerschellt. Ich schütte das ganze grausame Leid Vor deine graue Ewigkeit. – Die Himmel beben, die Sonne zagt Vor dem Menschenkinde, das also fragt. Das Meer schlägt donnernd seinen Strand, Und die Berge lauschen wie gebannt. – Und wenn mir, Gott du, die Seele zerbricht, Ich frage dich, ich lasse dich nicht.