Hans Ossenbach (1874–1945)

24 Sprüche Realismus

Glück muss schwer sein, sonst haftet es an der Oberfläche und verflüchtigt sich.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Wenn wir Menschen lieben, denen wir gleichgültig sind, nennen wir sie herzlos.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Meine Last – das Leben, Mein Schritt – der Wille, Mein Stab – der Gedanke, Mein Weg – das Licht, Meine Hoffnung – das Ziel.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Nichts aus unserem Leben können wir wiederholen. Jeder Atemzug ist neu.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Kein Leben ist zu niedrig, aus dem ein Augenpaar emporzublicken vermag.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Zweierlei bedarf es auf der Bergwanderung des Lebens: entschlossener Kraft und der Freundlichkeit aller Steine, denen wir uns anvertrauen.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Sich selbst überreden, heißt mit dem Leben in Widerspruch geraten.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Den Stand unseres Lebens erkennen wir an den zunehmenden Erinnerungen und den abnehmenden Erwartungen.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Zurückkehren heißt, etwas im Leben den Rücken zugewendet haben.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Leben und Strom fließen kraftvoll und lautlos. Der Lärm ist immer am Ufer.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Wer zu erleben weiß, weiß zu leben.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Dem Wirkenden gönnt der Tag das vielgestaltig ruhige Gleichmaß des Werdens, nur die Geschäftigen haben niemals Zeit.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Ferne ist überall, auch in uns, aber das nützt dem Kurzsichtigen nichts.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Nicht alle Gedanken können zu Taten werden, auch der Baum trägt mehr Blüten als Früchte.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Wenn man an die Grenze geht, muss man sich den Zollwächter gefallen lassen, darum hadre keiner mit einem Arzt.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Unser Schicksal – die ganze Welt. Darum geht es auch nie um den Einzelnen.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Keine gemeinsame Hoffnung mehr haben heißt, sich trennen müssen.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Wer am Leben ermüdet, legt eine Forderung nach der anderen beiseite, wie einer, der abreisen will, alles Überflüssige wegwirft.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Was nur wahrscheinlich ist, darf man auch dann nicht für wahr nehmen, wenn der eigne Wunsch es dafür halten möchte.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Der Tod zertrümmert Gefäße. Was schiert das den Inhalt?

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927

Jede Heerstraße ist stauberfüllt.

Ossenbach, Jenseits der Einsamkeit, 1927