Heinrich Leuthold (1827–1879)

13 Sprüche Romantik

Ein ganzer Himmel war mir einst beschieden, Als deinen schönen Leib mein Arm umfangen; Der Frühling blühte, und die Lerchen sangen, Und in dies heiße Herz ergoß sich Frieden.

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Bei Ragatz Dort, wo der Rheinstrom breit und träg hinfluthet durch's Markgrafenland, Dort knüpften wir ein inniges, ein engumschlingend-festes Band. Hier, wo er voll von Jugendmuth dahin sich stürzt in raschem Lauf, Hier wurde uns're Liebe kalt, hier hörte sie zu lieben auf. In's Leben wonnetrunk'ner Lust stürzt' ich hinein mich rasch und wild; Da war ich stolz, da war ich kühn, war ganz des jungen Rheines Bild. Doch seit – wie dieser Strom sich gießt in's blaue, ruhig-große Meer – Ich mich so ganz verlor in ihr, find' ich mein eigen Selbst nicht mehr.

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An – Einst hab' ich fest an meine Kraft geglaubt. Wie hat der Ehrgeiz diese Brust durchwühlt! Die Schläfe hab' ich pochen oft gefühlt, Als wäre sie von einem Kranz umlaubt. Der grüne Baum der Hoffnung ist entlaubt. Die Liebe ist's, die jetzt die Ruh' mir stiehlt, Wenn deine weiße Hand die Stirn mir kühlt Und in dem Schooß dir liegt mein krankes Haupt. Wohl fahr' ich wie im Traume oft empor: »Verträumt die Jugendzeit, die hinter mir – Wie weit das Ziel, das ich mir einst erkor!« Doch schau' ich in dein lieblich Auge dir, Dann miss' ich gern die Welt, die ich verlor; – Ich habe dich, den Himmel ja dafür!

Leuthold, Gesammelte Dichtungen in drei Bänden. Eingeleitet und nach den Handschriften hg. von Gottfried Bohnenblust, Frauenfeld 1914

Die Liebe ist Dunst und das flüchtige Leben ein Traum.

Leuthold, Gesammelte Dichtungen in drei Bänden. Eingeleitet und nach den Handschriften hg. von Gottfried Bohnenblust, Frauenfeld 1914. Aus: Sehnsucht

Dämmerung Wie lieb' ich jene Zeit, wenn schwach und schwächer Der Tag verhallt mit seinen lauten Stimmen, Und wenn im Grau der Dämmerung verschwimmen Bastei und Aquaedukt und flache Dächer! – Denn, wenn die Nacht ausspannt den dunkeln Fächer, Darin der Sterne Diamanten glimmen, Wenn Nachtigallen zum Gesange stimmen, Dann, scheuen Schritts, verläßt du die Gemächer. Ich aber harre dein, wo unter düstern Weinranken, die die laue Nachluft würzen, Mich Marmorsphynxen anseh'n weiß und lüstern, Bis du dich nah'st, in meinen Arm zu stürzen, Und fester nur mit deinem süßen Flüstern Des eig'nen Lebens Räthsel mir zu schürzen.

Leuthold, H., Gedichte

Nimm dieses Leben nicht zu ernst! Recht spaßhaft ist's im allgemeinen. Je besser du es kennenlernst, je muntrer wird es dir erscheinen.

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An einen jungen Freund Nimm dieses Leben nicht so ernst! recht spaßhaft ist's im allgemeinen… Je besser du es kennenlernst, je muntrer wird es dir erscheinen. Kein Drama ist's im großen Stil – wie du dir denkst – mit Schuld und Sühne; es ist ein derbes Possenspiel auf einer Dilettantenbühne. Zwar wär's nicht halb so jämmerlich, wenn nur die Leute besser spielten, und wenn die Lustigmacher sich nicht immer für die Helden hielten.

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Habe den Mut zur Wahrheit! Das kostet dich viele Freunde, aber es zeigt dir zugleich, was du an ihnen verlorst.

Leuthold, Distichen

Zwischen dem Elend und dem Glücke gähnt eine tiefe Kluft. Die Hoffnung schlägt darüber die Brücke, aber sie hängt in der Luft.

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Mignon Buntbeblümte Wiesen dehnen Fernhin sich, die Luft weht lind; Auf umsonnten Wolkenkähnen Kam der Lenz ins Land geschwind . . . Buntbeblümte Wiesen dehnen Fernhin sich, die Luft weht lind. Laß mein Haupt an deines lehnen, Rühr die Harfe, holdes Kind! Lieblich wie Gesang von Schwänen Klagt ihr Ton im Abendwind . . . Laß mein Haupt an deines lehnen Rühr die Harfe, holdes Kind! Zages Hoffen, süßes Wähnen Schwellt die Seele mir gelind; Banges, langverhaltnes Sehnen Löst sich; Quellen rieseln lind . . . Ach, ich weiß nicht, ob es Tränen, Oder ob es Lieder sind.

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Gegenseitigkeit A. macht dem B. einen Besuch, Um höflichst sich zu bedanken, Daß jener ihm widmet' ein Buch, Wozu er ihm stahl die Gedanken.

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Die bequemste aller Theorien ist: Menschen zu töten, statt zu erziehen.

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Im Schmuck des Lenzes stehn die Aun, Es trieft die Welt von Maienlust Und Sträuße winden holde Fraun Und Mädchen sich aus Blatt und Blust. Und auch in meiner Brust erstehn Viel tausend Blumen mannigfach; Sie blühen, duften und vergehn … Und keine Seele fragt darnach.

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