Heinrich Lhotzky (1859–1930)

19 Sprüche Realismus

Im Meistern der Not liegt das Glück, nicht im Ausweichen vor der Not.

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Liebe ist weder ein Erzeugnis des Verstandes noch der Religion. Sie ist das eigentliche Wesen des Menschen, das gleichmäßig sein sinnliches, seelisches und geistiges Wesen umspannt und in die Vollkommenheit rückt.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Die Dinge sind ganz gleichgültig. Sie sind das, wozu wir sie machen. Sind wir stärker als die Dinge [...], so ist die Welt herrlich. Es fügt sich auch alles wie von selbst, als wolle es dem starken Geiste untertan sein. Lassen wir aber die Dinge uns über den Kopf wachsen, so ist natürlich die Welt ein Jammertal und das Leben kaum wert, gelebt zu werden.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Das ist gerade das Schöne an Liebe und Freundschaft, daß ihre eigentlichen Werte und Gaben beiden Seiten unbewußt bleiben. Was man sich bewußt gibt, ist nicht das Eigentliche, sondern das Nebensächliche.

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Ein Mensch, der etwas zu hoffen hat, lebt erst richtig.

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Gedanken sind Kräfte, denn es sind Geistesäußerungen. Wir verbinden uns durch unser Denken entweder mit Mächten der Finsternis oder des Lichts.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Religionen sind die Friedhöfe des Geistes. Man kann nicht den Lebendigen bei den Toten suchen.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Wer Gott nicht hat, der hat unfehlbar einen Götzen.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Gott ist unerklärbar und unbeweisbar. Das ist seine Ehre und seine Majestät. Aber wer ihn erlebt, dem leuchtet die Lebenssonne, der ist außerstande, je von Gott zu lassen.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

So ist alles Göttliche: Es ist unglaublich einfach, aber unergründlich. Es kann nur erlebt, aber niemals erklärt werden. Wer jemals ein Tun Gottes erklärt hat, ist in Irrtum geraten, aber verständlich ist's ohne Erklärung für jedermann, der in sein Erleben hineingestellt ist.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Gott verlangt ja von keinem Menschen, daß er Unbewiesenes glaubt. Aber die göttlichen Beweise sind keine Denkergebnisse, sondern Geschichte und Wirklichkeit des Erlebens.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Von den Gliedern des Reiches Gottes fließen Ströme von Erbarmen in die Welt.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Die Wahrheit ist kein Lehrgefüge, an das man sich halten könnte, sondern eine Summe von Leben.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Worte machen ist leicht und billig, aber die Kraft der Wahrheit in sich darzustellen und aus sich heraustreten zu lassen, welche Riesenarbeit!

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Wer statt der Wahrheit die Bequemlichkeit für sein Leben hält und dieses Leben sucht, der wird's verlieren, wem's aber auf sein Leben nicht ankommt, sondern nur auf seine Wahrheit, der wird's finden.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Im Gebiete der Wahrheit aber, der naturgeschichtlichen ebenso wie der geistigen, gibt es keinen mathematischen Beweis, weil die Elemente der Mathematik nicht vorhanden sind. Es gibt nur den Beweis des Erlebnisses. Wir werden nur dessen inne, was wir als Tatsache durchschreiten und sind gar nicht fähig, etwas zu verstehen, was wir nicht an uns erlebt und erfahren haben.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Es ist etwas Großes um die hehre Majestät der Wahrheit. Nur muß man zittern, wenn sie hereingetreten ist. Gar leicht kann sie verscheucht werden.

Lhotzky, Vom Erleben Gottes, 1908

Es gibt kaum ein besseres Erkennungszeichen für Menschen als ihr Verhalten zu Kindern.

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Sei du! Sei gar nichts anderes, nichts Hohes, nichts Tiefes, nichts Glänzendes und nichts Scheinendes, sei nur du selbst!

Merian (Hg.), Trotzdem. 366 deutsche Gedanken und Gedichte, Gerhard Merian, Stuttgart-Degerloch, um 1926