Heinrich Martin (1818–1872)

64 Sprüche Romantik

Das allergrößte Glück genießt: Wer mit sich selbst zufrieden ist. Dies Glück erreichst du jederzeit Durch Ordnung und durch Tätigkeit.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Das Goldkorn uns'res Lebens, Das wir das Glück stets nennen, – Wir suchen es vergebens, Weil Blendungen uns trennen; Doch Selbsterkenntniß, Menschenkunde, Die unsern Blick erhellen, Sie geben von dem Glück uns Kunde, Und zeigen uns die Stellen – Wo's tief im eig'nen Herzen wohnt, Und dauernd den Bescheid'nen lohnt.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Wie kommt's, daß sich des Amors Flamme nie verzehret? Weil er vom Müßiggang die Liebesfackel nähret.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

O, wenn doch länger bliebe Das Lied der Nachtigall! Denn kurz ist die Liebe, Der Wonne süßer Schall. Doch Dichterherzen glühen Für Lieb' ihr Leben lang; In ihrer Brust erblühen Stets Lieder und Gesang.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Was dir das Leben auch an Rätseln zeigt, – Die Liebe ist's, die alle übersteigt.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Den heilt vom Schmerze nur des Todes Hand, Der sich betrogen in der Liebe fand.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Wenn die gedämpfte Glut Sich müh'voll Luft verschafft, Dann dringt mit voller Wut Hervor der Flamme Kraft. So, das gequälte Herz, Darf's nicht dem Herzen nah'n: Es bricht der Liebe Schmerz Sich endlich selbst die Bahn.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Wer kalt ein liebend Herz verschmäht, Hat ew'gen Haß hinein gesä't.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

In der Liebe gibt es die meisten Fälle, wo auch die feinste Selbstbeherrschung einen Moment von Durchsichtigkeit hat.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Der größte Feind der Liebe ist die grübelnde Vernunft, die in kleinmütige Zweifel verfällt.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Und was ist denn eigentlich Liebe? – Eine unbedingte Anhänglichkeit an einen andern und was sie erstrebt, das ordnet die Anmuth – die stete Begleiterin der Liebe – mit herzgewinnendem Zauber.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Sich lieben und verstehen ist selten und doch kann und wird wahre Liebe nur bestehen, wenn man sich gegenseitig versteht.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Wie oft sind wir geneigt, das für Koketterie bei der Geliebten zu halten, was doch eigentlich nichts weiter ist, als der unschuldige, prickelnde Uebermuth ihres Liebesglückes.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Größtenteils verwundet uns erst dann die Rose, eigentlich meine ich die Liebe, mit ihren verstecken Dornen, wenn wir uns völlig in deren Besitz befinden.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Was wir so oft »Liebe« nennen, ist doch nichts weiter als ein kurzer Sinnenrausch. Ist er in seiner Sonderheit verflüchtigt, so tritt größtentheils herbe Unbefriedigung und nicht selten Trennung ein.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Die Liebe hat all' meinen Mißmut vertrieben, Denn Liebe weckt Leben – und leben heißt lieben.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Ist das gegenseitige Erkennen in der Liebe nicht oft auch der Verlust der Liebe?

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Und kann die Frau wohl anders als im Herzen Des Mannes, den sie liebt, die Heimath finden? Wo ihre Freudenklänge, ihre Schmerzen, Im trauten Echo enger sie verbinden? Ein reinlich Stübchen, helle Fensterscheiben, Dort hinter Blumen lauschen voller Lust, Und ängstlich schauen, sollt' er lange bleiben, Dann, wenn er heimkehrt, eilen an die Brust, Mit Hochentzücken Aug' in Auge schauen, Ist das nicht Heimathlust – Ihr lieben Frauen?

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Das schwerste Opfer, welches der Mensch zu bringen vermag, ist: sein Herz brechen lassen und seiner Liebe entsagen.

Martin, Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, 1868

Wer seine Heimath in der Liebe hier fand, – Der hat schon auf Erden den Himmel erkannt.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865

Ohne Liebe ist das Leben Sklaverei.

Martin, Sonnenblumen und Nachtschatten. Spruch-Gedichte, 1865