Hermann Conradi (1862–1890)

3 Sprüche Realismus

Erfüllung Verhaltenes Geigengeriesel Zittert in mein Gemach – Ich horche auf ... und denke Den stillen Tönen nach ... Sie betasten meine Seele Liebkosend, scheu und mild – Es kommt in werbender Schöne Zu mir dein liebes Bild ... Das ist eine alte Geschichte – Man sieht's auf den ersten Blick: Ein lyrischer Dichter wird immer Das Opfer diskreter Musik ... Sie flockt so krauses Getändel, Sie plaudert entzückendes Zeug – Sie stöbert aus Seelengründen Vergeßner Gefühle Gesträuch! Auch mich hat sie ergriffen ... Tiefinnerstes aufgewühlt – Wie sehr ich dich doch liebe: Das habe ich da erst gefühlt! Nun schweigen die stillen Töne, Und alles hat sich erfüllt – Und in unendlicher Schöne Schau' ich dein liebes Bild ...

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Was frag' ich nach Zeit und Stunde Was frag ich nach Zeit und Stunde, Wenn an deiner Brust ich lieg' – Wenn ich küsse von deinem Munde Der Liebe süßseligen Sieg! Wenn ich küsse die weißen Brüste, Den knospenden, schwellenden Leib – Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Bei solch holdem Zeitvertreib! … Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Rast' ich auf Linnen, schneeweiß, Bei dir und trink' dir vom Munde Der Liebe süßseligen Preis! Da füllt mich ein großes Genügen, Mein wildes Begehren versinkt… Was frag' ich nach Zeit und Stunde, Wenn die Welt wie verschollen mich dünkt! …

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Es gibt Naturen, und zwar nicht wenige, welche nur in den Verhältnissen leben können, in welchen sie sich – nicht wohlfühlen!

Conradi, Gedichte und Aphorismen. Moderne Dichtercharaktere, hg. von Wilhelm Arent, 1885