Hermann Fischer S.V.P. (1867–1945)

9 Sprüche Realismus

Einer der schlimmsten Feinde des Erfolges ist der Dünkel.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

So ist denn die stete Arbeit in Wahrheit ein Schutzengel des Gemütes: sie hält Unfrieden fern, schützt vor der mörderischen Langweile, vor tausend Reizen zum Bösen, dämpft die Leidenschaften und lenkt ihre Goliathskräfte zum Segen, statt zum Fluche.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Was immer Dich beschäftigt, nie geht es spurlos an Deinem Herzen vorüber: dies Herz wird treuer oder treuloser dadurch.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Eine Erziehung, die nur jetzt bewahren will und durch mikroskopisch-gewissenhafte Aufsicht, Umsicht und Vorsicht ein Musterkind dressiert, leistet Treibhausarbeit, die im Wettersturm des wirklichen Lebens kraftlos zusammenbricht.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Man darf auch nicht unbillig in seinen Erwartungen und Ansprüchen sein. Hierin wird gegen Kinder viel gefehlt, indem die Grenzen ihrer Talente zu wenig berücksichtigt werden. Daß der Rosenstrauch keine Disteln trägt, verzeiht ihm der Esel freilich nie.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Ich möchte den Charakter das Knochengerüst des Geistes nennen. Nimm aus dem menschlichen Körper das Knochengerüst hinweg, er wird mit der Festigkeit jede sichere Bewegung und allen Halt verlieren und ein wahres Kautschukgebilde sein.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Endlich haben Pflichtgefühl, Rechtsgefühl, Verantwortlichkeitsgefühl und Wahrheitsliebe im Charakter ihre treueste Stütze.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Der Charakter ist nun einmal nicht das Resultat eines guten Vorsatzes – nie und nimmer – ebensowenig wie der köstliche rotwangige Apfel die Leistung eines einzigen schönen Sommertages ist.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920

Das griechische Wort "Charakter" heißt soviel als Gepräge. Der Charakter gibt nämlich dem Geistesleben des Menschen und seinem Handeln ein bestimmtes Gepräge oder eine ausgeprägte Bestimmtheit und Festigkeit, und zwar im guten Sinne.

Fischer, Ich will! Ein Buch über Selbsterziehung des Willens und Veredelung des Herzens, 1920