Hermann Heiberg (1840–1910)

9 Sprüche Romantik

Über jedem Wollen steht ein gewisses unabänderliches Muß in der Liebe. Sie hat etwas Elementares. Man kann ihr ebensowenig gebieten, wie dem Winde, wenn man ihm zurufen wollte: "Sturm, wehe nicht!"

Heiberg, Ein Weib, 1887

Bei vielen Menschen ähnelt die Liebe dem Hunger, ist wirklich nichts anderes. Das Herz sucht Nahrung, und ob's wirklich der rechte ist, das muß sich erst durch Widerstand und Prüfung erhärten.

Heiberg, Dunst aus der Tiefe. Berliner Roman, 2 Bde., 1890

Für andere und mit anderen leben, heißt überhaupt leben!

Heiberg, Menschen untereinander, 1888

Manche Menschen gelangen eigentlich niemals zum Genuß des Daseins. Sie spähen immerfort nach dem Zeitpunkte aus, wo ihre Wünsche sich erfüllen sollen. Und unversehens wird ein schwarzer Deckel geöffnet, und man legt sie hinein als Toren, die um des Zuvielerstrebten nichts ihr eigen nennen dürfen. Nur der, welcher jeden Tag zu einem Festtag glücklichen, wenn auch bescheidenen Genießens macht, ihn nützt und denkt: "Für den kommenden gibt's keine Schlüssel, die Pforten des Glücks sind geöffnet oder versperrt! Keiner vermag es zu wissen!" der ist weise.

Heiberg, Menschen untereinander, 1888

In allen Fällen des Lebens gilt: Wer tut es? Und wie geschieht es?

Heiberg, Menschen untereinander, 1888

Fast alles Erziehen ist von Übel. Das Beispiel ist die große Lehrmeisterin.

Heiberg, Menschen untereinander, 1888

Wer sich selbst an das Unwahre kettet, wird mit der Zeit ebenso.

Heiberg, Menschen untereinander, 1888

Wessen Kleidung nicht in Ordnung ist, dessen Charakter ist es auch nicht.

Heiberg, Dunst aus der Tiefe. Berliner Roman, 2 Bde., 1890

Der wirklich edle Mensch kann wohl rauh, aber nie roh sein. Ein Mann soll sich als Kavalier zeigen! Welch ein schönes Wort! Auch ein solcher kann fehlen, aber selbst in seinen Schwächen wird sich ein gewisser Adel dokumentieren, wird eine gewisse Größe der Auffassung zur Geltung gelangen.

Heiberg, Schulter an Schulter, 2 Bde., 1889