Kleines Glück Sie geht in aller Frühe, noch eh die Dämmrung schwand, den Weg zur Tagesmühe im ärmlichen Gewand; die dunklen Nebel feuchten noch in der Straße dicht, sonst sähe man beleuchten ein Lächeln ihr Gesicht; die Götter mögen wissen, warum sie heimlich lacht - es weiß es nur das Kissen, was ihr geträumt heut nacht.
Der Moment Versprühn in Freudefunken muß Ein langes Gramgeschick, Zu Grunde gehn im Vollgenuß Von einem Augenblick. Es prägt kein Leben seine Spur Der Welt auf ewig ein, Wir können auf Momente nur Vollkommen glücklich sein. Wie leuchtend auch in höchster Pracht Des Menschen Geist erglüht, Er zeigt doch nur die tiefe Nacht, In die er bald versprüht.
Lied Kalt und schneidend Weht der Wind, Und mein Herz ist bang und leidend Deinetwegen, schönes Kind! Deinetwegen, Süße Macht, Ist mein Tagwerk ohne Segen Und ist schlaflos meine Nacht. Stürme tosen Winterlich, Aber blühten auch schon Rosen, Was sind Rosen ohne dich?
So drückend ist kein Menschenlos auf Erden, Es kann erleuchtet durch die Liebe werden.
Neue Liebe Zum zweitenmal Steigt dieses Jahr der Frühling nieder Ins Erdental. Die Rosen blühn, die Vögel singen Lieder, Und ich, ach – liebe wieder, Mit gleicher Lust und gleicher Qual Wie dazumal. – Wie dazumal, Als mir noch frohe Jugend blühte, Der Sonnenstrahl Ins Herz mir junge Lieder sprühte. Ich glühe, wie ich damals glühte, Es ist die gleiche süße Qual Wie dazumal.
Ich soll nicht dein vergessen…? Was sagt dies arme Wort? Ins Buch des Lebens pressen Ein Blümchen, halb verdorrt? Wenn deiner nicht vergessen Dich wahrhaft lieben heißt, Dann haucht noch aus Cypressen, Dein eingedenk mein Geist.
Ja, einmal nimmt der Mensch von seinen Tagen Im voraus schon des Glückes Zinsen ein, Und spricht: Ich will den Kranz der Freude tragen, Mag, was darauf folgt, nur noch Asche sein. Die vollen Becher! Laß uns alles wagen! Ja einmal will ich auf den Mittagshöh'n Des Lebens stehn und dann am Ende sagen: Wie war es doch so schön! Wie war der Traum so schön! Da wir uns liebten, Da blühten Rosen um den Trauerzug; Im Schaum der Tage, die sonst leer zerstiebten, War eine Perle, reich und stolz genug. Ich will den Arm um deinen Nacken schlingen, Und durch die Ferne der Erinnrung tön': Kann keine Zeit das Glück uns wiederbringen – Wie war es doch so schön!
Beneidenswert ist, wer für andre Wesen, Wer für ein Liebes lebt und kämpft und leidet, Wer für sich selbst nur lebt, ist arm.
Welchen Gedanken die Zeit Einmal erkoren Der ist gefeit und beschworen, Und wird ewig wiedergeboren Trotz allem Widerstreit. Seine Feinde mühen sich ab, Mit Schlingen und Banden, Sie machen ihn gerne zu Schanden Und wenn er schon längst erstanden, Hüten sie noch sein Grab.
Vergilbte Blätter Weil du mir so früh entschwunden, Blieb ein unerfülltes Glück Ungenoss'ner schöner Stunden Ruhelos in mir zurück. Ungeküßte Küsse leben In getrennten Herzen fort, Und die Lippe fühlt noch beben Das zu früh verstummte Wort.
Nicht immer schließt wie auf der Bühne Das Schicksal mit vollkommnem Schluß, Nicht immer findet Schuld die Sühne, Die Liebe süßen Todeskuß. Viel öfter wird ein Herz zersplittert, Und Leid wie Lust stirbt Jahr um Jahr, Wie Bild und Schrift zuletzt verwittert, Und Traum wird, was Erinn'rung war.