Hermann Oeser (1849–1912)

19 Sprüche Romantik

Es gibt nur weinendes Glück.

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Höchste Liebe schweigt. Nein, höchste Liebe tröstet den Beleidiger.

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Tief sieht die Liebe. Sie sieht alle Schwächen des Geliebten. Darum ist sie Arzt und Schleier.

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Wer sich fürchtet vor der Nachrede, er sei ein Pantoffelheld, hat Furcht, als ein Lebender zu erscheinen.

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Das Leben ist in Wahrheit eine Gabe Gottes, die uns arme Menschenkinder erfrischt und aufheitert gleich einem Gewitter, das nach langer Dürre die lechzende Natur wieder stärkt und zu neuem Leben verjüngt. Wer nicht mehr lachen kann, für den hat das Erdenleben, seinen Schmelz und Duft, seine Heiterkeit und Frische verloren, und wer so recht aus voller Seele lacht, der kann kein schlechtes Gewissen haben.

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Die Eltern von heute müssen wieder lernen, Nein sagen zu können; denn in nichts offenbart sich die wahre, die sehende Liebe tiefer als in dem Nein, das die Zukunft im Auge hat und sie sichern will. Versagen ist ebenso wichtig als gewähren.

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Zeit haben für den Ehegefährten ist wichtiger, als Geld für ihn zu haben.

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Es gibt Ehen, die erst nach dem Tode des einen Ehegefährten mit diesem geschlossen werden.

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Wer über den Ehegefährten bei andern klagt, der bricht die Ehe.

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Das »unbedingte Vertrauen« zeigt sich darin, dass man dem Ehegefährten sein Geheimnis gönnt.

Oeser, Ein Ehzuchtbüchlein, 1913

Ehe schützt wie eine Mutter ihr Kind. Ehe deckt den Gefährten. Ehe steht wie ein Soldat für die Ehre des Kameraden ein.

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Ehe ist Anbetung. Nicht Anbetung des anderen.

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Wer in die Ehe tritt, ohne den festen Willen: nur Du!, tritt neben die Ehe.

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Den Ehegefährten, zum gesellschaftlichen Spiel, vor anderen ironisieren, – bricht die Ehe!

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Auf alle Kunst und jeden Beruf bereitet der Mensch sich vor, nur auf den schwersten Beruf nicht, auf die Ehe.

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Möbelgemeinschaft ist keine Ehe.

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Gottes Gnade ist seine Mitarbeit an unserem Willen.

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Wie höflich ist Gott. Er sagte: "Er soll dein Herr sein!" Dann schwieg er und sah dich freundlich und erwartungsvoll an und glaubte, du sagtest nun deinerseits: "Und ich will Ihr Diener sein und Sie auf meinen Händen tragen!" Und immer noch schweigt er und wartet auf dies, dein Wort.

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Nicht der liebt schon die Wahrheit, der sie anderen sagt. Nur der liebt die Wahrheit, der sie gegen sich selbst erträgt.

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