Hermione von Preuschen (1854–1918)

4 Sprüche Realismus

Du hattest Furcht Der süßen Träume einer – flüchtigster –, du mir zur Seite – Mangoblütenduft  in schweren, dichten Wellen um uns her. Aus deiner Seele drang ein leiser Ton, ein Aeolsharfenton –, auch meine Seele, sie sang ihn mit! Nacht sank herab, die Blüten flammten auf im Kelchglas – meine Sehnsucht wuchs!   Dann kamst du wieder –, deine Seelentür war mir verschlossen – und es starb ein Glück noch in der Knospe! Du hattest Furcht vor mir und vor der Liebe!

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Wüßt ich das Lied, das ihn bannt, das ihn zwingt Wüßt ich das Lied, das ihn bannt, das ihn zwingt, an mein armes, einsam verloderndes Herz, das durch alle Fernen hinüberklingt, durch alle Türen – durch Panzer und Erz. Das dem einen Mann in die Seele dringt, dem einzigen, der für mich nur erdacht –, der einsam wie ich – mit der Sehnsucht ringt, nach mir die Arme reckt – Nacht für Nacht. Wo ist das Lied – das ihn zu mir zwingt, aus der Einsamkeiten ewigem Schnee, das ihm die Ebenbürtige bringt, Genossin seiner leuchtenden Höh? Wüßt ich das Lied, das ihn zu mir reißt, wüßt ich zu seiner Kammer den Weg, furchtlos durch Steppen totvereist fänd ich, auch über Höllen, den Steg!

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Über den Wassern ein Schaumgeflimmer – nächtens leuchtender Sternenschimmer – hoch die Venus funkelt von fern –, ewiger Morgen- und Abendstern. Hat sie tröstend geweiht den Tag, schützend hämmernder Pulse Schlag, und ist erfüllt ihr Liebeslauf, strahlt neu als Stern der Nächte sie auf. Liebe – sie dämmt das Leben ein, endlos im Kreislauf von Lust und Pein –, Liebe, sie bringt um Sinn und Verstand den, der aus ihrem Licht verbannt! Nächtens leuchtender Sternenschimmer, über den Wassern ein Schaumgeflimmer.

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Du greifst in deines eigenen Schicksals Speichen Du greifst in deines eigenen Schicksals Speichen mit Kinderhand, wähnst goldene Liebeskronen zu erreichen, erhaschst nur Tand. Zerstörst vom reinsten Glück die heiligen Blüten mit täppischer Faust – und lebst dein Leben – Trug und Wahn zu hüten –, bis es verbraust!

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