Hoffmann von Fallersleben (1798–1874)

28 Sprüche Klassik

Kein Harren gilt noch Hoffen! Frisch vorwärts! Unverzagt! Mir steht die Welt noch offen: Wohlan, es sei gewagt! Und wird's auch nie errungen, Wonach mein Geist gestrebt, So hab ich doch gesungen, Geliebt und gelebt.

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Nur ein Pfand ist unser Leben, Unsre Freud und unser Glück, Was der Himmel hat gegeben, Nimmt er wiederum zurück.   Was wir waren, was wir hatten, Was wir haben, was wir sind, Alles ist wie Traum und Schatten, Alles mit der Zeit verrinnt.   Laß das Weinen! Laß das Klagen! Fasse Mut in deinem Leid! In des Leben trübsten Tagen, Gibt Gott Trost nur und die Zeit.

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Leben war noch nie Verbrechen, Und der Lebende hat Recht!

Fallersleben, H., Gedichte. Aus: Trinklied

Letzte Hoffnung An Verwelken und Verblühen Hab' ich längst mein Herz gewöhnt; Mit des Lebens Leid und Mühen Hab' ich längst mich ausgesöhnt. Doch mein armes Herz auf Erden Dennoch manche Hoffnung trägt – Möge sie erfüllet werden, Weil es sie fürandrehegt!

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Der Hausorden Dem Verdienste seine Kronen! Also denket mancher Mann, und er will sich selbst belohnen, und kein anderer denkt daran. Und wie große Potentaten heckt er einen Orden aus zur Belohnung seiner Taten nur für sich und für sein Haus. Und er teilet dann in Klassen diesen Orden seiner Wahl, und er will damit umfassen der Verdienste große Zahl. Ehekreuz, das ist die erste, Hauskreuz muß die zweite sein, und dann kommt die schönst' und hehrste, Totenkreuz noch hinterdrein. Seit die Orden sind geworden jedem Stand ein Liebespfand, nun, so hascht man auch nach Orden in dem Heil'gen Ehestand. Wenn dich drum der Staat nicht ehrt werde gleich ein Ehemann, und dir wird ein Kreuz beschert, daß du denkst zeitlebens dran.

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Die Sterne sind erblichen Mit ihrem Goldnen Schein; Bald ist die Nacht entwichen, Der Morgen tritt herein. Noch waltet tiefes Schweigen Im Tal und überall; Auf frisch getauten Zweigen Singt nur die Nachtigall. Sie singet Lob und Ehre Dem hohen Herrn der Welt. Der überm Land und Meere Die Hand des Segens hält. Er hat de Nächt' vertrieben, Ihr Kindlein fürchtet nichts; Stets kommt zu seinen Lieben Der Vater allen Lichts.

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Werde heiter, mein Gemüte, Und vergiß der Angst und Pein! Groß ist Gottes Gnad und Güte, Groß muß auch dein Hoffen sein. Kommt der helle goldne Morgen Nicht hervor aus dunkler Nacht? Lag nicht einst im Schnee verborgen Dieses Frühlings Blütenpracht? Durch die Finsternis der Klagen Bricht der Freude Morgenstern; Bald wird auch dein Morgen tagen: Gottes Güt ist nimmer fern.

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