Ida Hahn-Hahn (1805–1880)

4 Sprüche Romantik

In der Liebe dominiert dauernd immer derjenige, der am wenigsten liebt; mehr noch! der vielleicht gar nicht liebt und sich nur mit Grazie lieben läßt. Wo die Leidenschaft ist nie die Herrschaft; bei der Berechnung ist sie.

Hahn-Hahn, Zwei Frauen, 1845

Der Funke der Liebe Der Funke der Liebe, im Herzen geboren, Geht nimmer Dem, der ihn empfunden, verloren, Er glühet und brennt in die Ewigkeit fort; Denn wäre dem Menschen die Kraft nicht gegeben, Zu lieben bis hin ins unsterbliche Leben, So gäb's wahre Liebe nicht hier und nicht dort. Nicht wird er entzündet an rosigen Wangen, Und nicht an dem Feuer des Jugendverlangen, So flüchtigem Dienste ist er nicht geweiht. Und selber die Freude auf schimmerndem Flügel, Sie bringet ihm nicht der Unsterblichkeit Siegel. – Der Funke der Liebe wohnt über der Zeit. Und nicht kann er langsam mit Tagen veralten, Auch nicht an dem Eise der Jahre erkalten, Das andre so heiße Gefühle verwischt. Es mögen auch glühende Thränen erzählen, Daß still sie gebrochen die mildesten Seelen; – Der Funke der Lieb' nicht in Thränen erlischt. Die Asche der Theuren selbst kann ihn nicht decken; Er weiß aus Zerstörung das Leben zu wecken, Und Gräber und Staub hemmen nicht seinen Lauf. Denn so wie der Phönix aus rein'genden Flammen, – Bricht einstens das Erdengerüste zusammen, – So schwingt er sich froh zur Unsterblichkeit auf.

Hahn-Hahn, Gedichte, 1835. Originaltext

Der Funke der Liebe wohnt über der Zeit.

Hahn-Hahn, Gedichte, 1835. Aus: Der Funke der Liebe

Ist der Character gemein oder lasterhaft oder roh, so wird der Abdruck desselben, seine That es auch sein; denn adeln kann ihn die Kraft der Leidenschaft nicht immer.

Hahn-Hahn, Sibylle. Eine Selbstbiographie, 1846. Erster Band. Originaltext