Immanuel Kant (1724–1804)

83 Sprüche Aufklärung

In der Qualität eines Menschen, als eines durch seine eigene Vernunft gewissen Pflichten unterworfenen Wesens, ist also jedermann ein Geschäftsmann; und, da er doch, als Mensch, der Schule der Weisheit nie entwächst, so kann er nicht etwa, als ein vermeintlich durch Erfahrung über das, was ein Mensch ist und was man von ihm fordern kann, besser belehrter, den Anhänger der Theorie mit stolzer Verachtung zur Schule zurückweisen.

Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, 1793. I. Von dem Verhältnis der Theorie zur Praxis in der Moral überhaupt

Die wahre Weisheit ist die Begleiterin der Einfalt.

Kant, Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik, 1766. Der zweite Teil welcher historisch ist

Die Weisheit geht auf das Gute. Klugheit aufs Nützliche.

Kant, Nachlass

Selbstprüfung, die in die schwerer zu ergründenden Tiefen oder den Abgrund des Herzens zu dringen verlangt, und die dadurch zu erhaltende Selbsterkenntnis ist aller menschlichen Weisheit Anfang. Denn die letzte, welche in der Zusammenstimmung des Willens eines Wesens zum Endzweck besteht, bedarf beim Menschen zu allererst der Wegräumung der inneren Hindernisse (eines bösen in ihm genistelten Willens), und dann der Bestrebung, die nie verlierbare ursprüngliche Anlage eines guten Willens in sich zu entwickeln.

Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre

Nur wer das Leben ernst, bitter ernst nimmt, hat auch wirklich Humor.

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Hang zur Gemächlichkeit ist für den Menschen schlimmer, als alle Übel des Lebens. Es ist daher äußerst wichtig, daß Kinder von Jugend auf arbeiten lernen.

Kant, Über Pädagogik. Bemerkungen aus den über diesen Gegenstand bei der Universität mehrmals gehaltenen Vorträgen, hg. von D. Friedrich Theodor Rink 1803. Von der physischen Erziehung

Es gibt nur eine Ausflucht vor der Arbeit: andere für sich arbeiten zu lassen.

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Unsere Bestimmung ist Tätigkeit.

Karamsin, Briefe eines russischen Reisenden, 1791/92. Aus dem Russischen von Johann Richter, Rikola Verlag 1922. Erster Band, 1799

Der Mensch ist das einzige Tier, das arbeiten muss.

Kant, Über Pädagogik. Bemerkungen aus den über diesen Gegenstand bei der Universität mehrmals gehaltenen Vorträgen, hg. von D. Friedrich Theodor Rink 1803. Von der physischen Erziehung

Die Zeit ist kein diskursiver, oder, wie man ihn nennt, allgemeiner Begriff, sondern eine reine Form der sinnlichen Anschauung.

Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2., erweiterte Auflage 1787 (EA: 1781). I. Transzendentale Elementarlehre

Erfahrung ist eine verstandene Wahrnehmung. Wir verstehen sie aber, wenn wir sie unter Titel des Verstandes uns vorstellen.

Kant, Nachlass

Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel.

Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2., erweiterte Auflage 1787 (EA: 1781). Einleitung

Wir können nichts erklären, als was wir auf Gesetze zurückführen können, deren Gegenstand in irgendeiner möglichen Erfahrung gegeben werden kann.

Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, verbesserte Auflage 1786 (EA: 1785). Dritter Abschnitt: Übergang von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen praktischen Vernunft

In der Dankbarkeit aber steht der Verpflichtete um eine Stufe niedriger als sein Wohltäter.

Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre

Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.

Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2., erweiterte Auflage 1787 (EA: 1781). I. Transzendentale Elementarlehre

Alles kommt in der Religion aufs Tun an.

Kant, Der Streit der Facultäten, 1798

Es ist nur eine (wahre) Religion; aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben.

Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 1793. Drittes Stück. Der Sieg des guten Prinzips über das Böse, und die Gründung eines Reichs Gottes auf Erden

Religion ist (subjektiv betrachtet) das Erkenntnis aller unserer Pflichten als göttlicher Gebote.

Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 1793. Viertes Stück. Vom Dienst und Afterdienst unter der Herrschaft des guten Prinzips, oder von Religion und Pfaffentum

Auch sind die sogenannten Religionsstreitigkeiten, welche die Welt so oft erschüttert und mit Blut bespritzt haben, nie etwas anderes, als Zänkereien um den Kirchenglauben gewesen.

Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 1793. Drittes Stück. Der Sieg des guten Prinzips über das Böse, und die Gründung eines Reichs Gottes auf Erden

Es ist unmöglich, dass ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde.

Kant, Nachlass

Alles, was, außer dem guten Lebenswandel, der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.

Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, 1793. Viertes Stück. Vom Dienst und Afterdienst unter der Herrschaft des guten Prinzips, oder von Religion und Pfaffentum