Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792)

6 Sprüche Klassik

Zur Hochzeit zweier Täubgen, Von jeher Mann und Weibgen, Die nicht sich auserkohren, Die nur sich nicht verloren, Soll Euer Liebden Gnaden In aller Ehrfurcht laden, In ihrem Namen zwar Der Hochzeitsbitter Paar. Wer Herz hat froh zu sein Wo treue Liebe thronet In vollem Sonnenschein, Wens stärket, wens belohnet, Der trete froh herein; Versuch es, mit zu schwärmen Und fühlt er eignen Schmerz, An ihrem Glück zu wärmen Sein Schweitzerliches Herz. Exempel nur genommen, Es wird an ihn auch kommen, Die Welt ist rund und weit, Hat jeder seine Zeit. Es kann durch langes Trauren Leicht unser Herz versauren, Und wenn wir uns zerstreun, Ist doch die Lust nicht rein. O! der ist proskribiret Wen fremdes Glück nicht rühret, Der kann es selbst nie sein, Kein Thier freut sich allein. Es müßt denn sein von Thieren – Doch wo komm' ich hinein Mit meinem Pourparliren? Wollt Euch nur demonstriren, Daß wenn sich zwey geniren Und jeden invitiren Vor ihnen zu scharmiren, Ihr nicht dürft sagen: Nein!

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Fühl alle Lust, fühl alle Pein Zu lieben und geliebt zu sein, So kannst du hier auf Erden Schon ewig selig werden.

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Ach du, um die die Blumen sich Verliebt aus ihren Knospen drängen, Und mit der frohen Luft um dich Entzückt auch ihren Weihrauch mengen, Um die jetzt Flur und Garten lacht, Weil sie dein Auge blühen macht. Ach könnt ich jetzt ein Vogel seyn Und im verschwiegnen Busch es wagen Dir meines Herzens hohe Pein, Die ohne Beyspiel ist, zu klagen. Empfändest du die Möglichkeit Von dieser Qualen Trunkenheit. Vielleicht daß jener Busen sich Zu einem milden Seufzer hübe, Der mich bezahlte, daß ich dich Noch sterbend über alles liebe.

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Pygmalion An diesen Lippen, diesen Augen Die Welt vergessend, hinzuhangen Und aus den rosenroten Wangen Des Lebens Überfluß zu saugen An dieses Busens reiner Fülle Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen Und auf des Schoßes Fried und Stille Mit tränenmüdem Haupt zu liegen Das war mein Wunsch – das ist mein Grämen – Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.

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Aus ihren Augen lacht die Freude, Auf ihren Lippen blüht die Lust, Und unterm Amazonenkleide Hebt Mut und Stolz und Drang die Brust. Doch unter Locken, welche fliegen Um ihrer Schultern Elfenbein, Verrät ein Seitenblick beim Siegen Den schönen Wunsch, besiegt zu sein.

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Liebe hat ihre eigene Sphäre, ihre eigenen Zwecke, ihre eigenen Pflichten, die von denen der Ehe himmelweit unterschieden sind.

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