Jean de La Fontaine (1621–1695)

10 Sprüche Aufklärung

Die Liebe [...] [ist] der Baum des Lebens, den mitleidige Engel, den die Hand der ewigen Liebe selbst aus dem verlorenen Paradiese in die Wüste des Lebens verpflanzte.

Josephi, Frühlingsblumen auf dem Gebiethe des einsamen Nachdenkens, gesammelt in dem Garten der Menschheit und der Religion, 1824

… Die Torheit nütze Zur Sühne dem Amor als Stab und Stütze, Sie habe ihm immer zur Seite zu schreiten Und jeden seiner Schritte zu leiten.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668. Amor und die Torheit

Jeder sagt, er sei dein Freund – aber nur ein Narr verläßt sich darauf.

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Die unerfahrnen Freunde sind gefährlich. Klugheit ist besser, selbst in einem Feind.

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Ein jeder nennt sich Freund, doch sei kein Tor Und bau nicht drauf. Das Wort ist sehr gemein, Jedoch sein Inhalt kommt nur selten vor.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668. Ein Wort des Sokrates

Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.

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Der alte Kater und die junge Maus Ein junges Mäuschen, fast ein Kind noch, wollt' es wagen, 'nes alten Katers Herz zu rühren durch ihr Klagen und Flehn, und bat daher den alten Mäusegraus: "Laß mich am Leben! Ist 'ne Maus von meiner Größ' und meinem Magen denn eine Last für solch ein Haus? Meinst du vielleicht, ich hungre aus den Wirt samt Wirtin und Gesinde? Ein Körnchen Weizen ist mein Schmaus, fett macht mich eine Käserinde. Jetzt bin ich mager; drum wart nur noch ein'ge Zeit, deiner Nachkommenschaft steh' ich zum Mahl bereit." So sprach die Maus, als sie der Kater fing."Dich halt ich", sagt' jener, "und du irrst gewaltig! Wer bin ich, daß du so mit mir zu reden wagst? Das nützt dir ebenso, als ob du's einem Tauben sagst. Ein alter Kater und Begnad'gung? Welch Ansinnen! Nach unsrem Brauch - du kennst ihn doch? - stirbst du. Marsch! Gleich ins schwarze Loch! Klag's den drei Schwestern, die dort spinnen! Für meine Kinder gibt's genug zu fressen noch." Wort hielt er. Fragt ihr, was an kalter und trockener Moral die Fabel bringt zu Tag? Die Jugend schmeichelt sich, daß alles sie vermag; stets unbarmherzig ist das Alter.

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Der Mensch bleibt für die Wahrheit kalt. Für die Lüge gerät er in Feuer.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668

Leiden, ach, zu allen Zeiten muß der kleine Mann, wenn die Großen streiten.

La Fontaine, Fabeln (Fables choisies, mises en vers par M. de La Fontaine), 1668. Der Frosch und die zwei Stiere

Der Leute Wesen ist nicht an ihrem Äußeren zu lesen.

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