Jeremias Gotthelf (1797–1854)

108 Sprüche Klassik

Es liegt aber das Glück nicht in den Dingen, sondern in der Art und Weise, wie sie zu unsern Augen, zu unsern Herzen stimmen; und ein Ding ist einem viel wert, was ein anderer mit keinem Finger anrühren möchte.

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Das wahre Glück der Menschen ist eine zarte Blume, tausenderlei Ungeziefer umschwirrt sie, ein unreiner Hauch tötet sie.

Gotthelf, Geld und Geist oder Die Versöhnung, 1843/44

Ach Leute, wenn ihr wüßtet, wie glücklich man bei Wenigem sein kann, wie unglücklich oft bei Vielem.

Gotthelf, Dursli der Branntweinsäufer oder der heilige Weihnachtsabend. Novelle, 1839

Das rechte weltliche Glück und das himmlische Glück werden akkurat auf dem gleichen Wege gefunden.

Gotthelf, Uli der Pächter (auch: Ueli der Pächter), 1849

Glücklich möchten alle Menschen werden. Wenn sie reich wären, würden sie auch glücklich sein, meinen die meisten, meinen, Glück und Geld verhielten sich zusammen wie die Kartoffel zur Kartoffelstaude, die Wurzel zur Pflanze. Wie irren sie sich doch gröblich, wie wenig verstehen sie sich auf das Wesen der Menschen und haben es doch täglich vor Augen!

Gotthelf, Der Besenbinder von Rychiswil, 1852

Aber eben, das ist das Unglück, daß die Leute durch das G’fell (glücklicher Zufall) glücklich werden wollen und nicht durch ein frommes Leben, bei dem der Segen Gottes ist. Da ist’s nun ganz recht, daß die, welche nur auf das G’fell warten, vom G’fell betrogen werden, bis sie wieder zur Erkenntnis kommen, daß am G’fell nichts, aber an Gottes Segen alles gelegen sei.

Gotthelf, Uli der Knecht (Originaltitel: Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute), 1841

Ich glaube nicht, daß zwei zusammenkommen auf der Welt, die sich nicht mehr oder minder ändern müssen, wenn sie glücklich bleiben wollen.

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Ein einziger Blick, aus dem Liebe spricht, gibt der Seele Kraft und die Gewißheit, daß man nicht aus den Grenzen der Liebe gestoßen worden [ist].

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39

Wo nichts Gutes ist, da lauert etwas Schlechtes. Leer ist kein Herz.

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Wo viele Liebe sei, da sei viele Vergebung.

Gotthelf, Der Sonntag des Großvaters. Erzählung, 1852

Die Liebe teilt das Los aller menschlichen Dinge, je fleischlicher etwas ist, desto rascher geht's vorüber, je mehr Geistiges ihm beigemischt ist, desto länger dauert es.

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Wir sollen geben und nehmen lernen und beides unbeschwert, das heißt in der Liebe, und beides ist gleich schwer.

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Es ist doch schön auf der Welt - wo Liebe ist!

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Das ist der Segen der wahren Liebe, daß in der Liebe selbst der Balsam liegt für die Wunden der Liebe.

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Der Liebe hat Gott in jedem menschlichen Herzen einen Altar aufgerichtet, das Lämplein auf demselben zugerichtet und zu demselben gestellt als Gott geweihte Priesterin die Mutter – sie brennt die heilige Flamme an.

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Warm soll das Herz bleiben, feurig in der Liebe, und schöner ist wohl nichts auf Erden als ein grau Haupt über einem warmer Liebe vollem Herzen.

Gotthelf, Jacobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz, 1846/47. Drittes Kapitel: Jakob kömmt nach Basel und kriegt Gift, aber nicht in den Leib

Wo kein Gift im Herzen ist, sondern harmlose Liebe, da blühen sonder Kunst und Geld wie auf freier Wiese tausend Blumen, tausend Freuden auf dem Lebensacker.

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Die Großmutter wunderte sich oft darüber, daß sie mit mir so freundlich seien; sie wußte nicht, daß eigentlich jeder Mensch Liebe in der Brust hat, auch wenn sie hart wie Felsen scheint; daß in der Tat viele Menschen die Liebe nicht zeigen können, gewöhnlich weil sie in der Jugend zurückgedrängt worden.

Gotthelf, Der Bauern-Spiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, 1837. Meine Kindheit

Liebe und Treue bestehen aber nur zwischen Herzen und Herzen, nicht zwischen Geld und Geld, nicht zwischen Wollust und Wollust, nicht zwischen Hochmut und Hochmut, am allerwenigsten zwischen Eitelkeit und Eitelkeit.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39. 19. Kapitel: Etwas vom Wesen und Treiben der Liebe, und wie es sich bei mir gestaltet

Die Liebe ist weder theoretisch und gottlob auch nicht wissenschaftlich, sondern akkurat noch so, wie sie Gott geschaffen hat, nicht zum Dividieren, Spekulieren, Subtrahieren, sondern sich zu freuen über Freudiges, zu weinen, wenn es wieder dahingeht.

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Es ist dies der echten Liebe Eigentümlichkeit, daß sie unerwidert, verschmäht doch süß bleibt und ein köstlich Kleinod.

Gotthelf, Jacobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz, 1846/47. 27. Kapitel