Jeremias Gotthelf (1797–1854)

108 Sprüche Klassik

Eine versunkene Liebeszeit gleicht den Sagen von versunkenen goldenen Zeiten und Ländern, mit dem Unterschiede jedoch, daß die Sagen der Völker sich immer grauer färben, im Herzen der Liebenden die versunkene Zeit immer goldener wird, wie auch oft das Abendrot immer dunkler erglüht, je tiefer die Sonne sinkt.

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Da habe ich von ihr gelernt, wie es eine Liebe gibt, welche höher als die natürliche Liebe ist, die aus Wohlgefälligkeit entspringt, und welche der Liebe Gottes verwandt ist, welche eben das Verlorne, das Häßliche am meisten liebt, weil es das Hülfsbedürftigste ist.

Gotthelf, Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht, 2 Bde., 1843/44. 2. Teil, 17. Kapitel: Von der Hübschi und vom Interesse

[...] die Liebe sei ja die Wärme, in welcher das Eis der Herzen schmelze.

Gotthelf, Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht, 2 Bde., 1843/44. Zweiter Teil, 17. Kapitel: Von der Hübschi und vom Interesse

Ein tiefes Bedürfnis nach Liebe ist in jedes Herz gelegt; die Zeichen der Liebe, welche wir erhalten, sind die eigentliche Nahrung der Seele, die Zeichen der Liebe, welche uns von Sterblichen werden, sind Zeuge der göttlichen Liebe. Nur um des Guten willen wird ein Mensch geliebt, nur das Hervortretende des Göttlichen in ihm erweckt eigentliche Liebe.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39

Oh, wenn es der Mensch sinnen könnte, daß man sich lieb haben sollte, wenn man bei einander ist, weiß ja doch kein Mensch, wenn man von einander muß!

Gotthelf, Geld und Geist oder Die Versöhnung, 1843/44

Dem Wesen nach ist die erste Liebe in allen Herzen gleich.

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Die Liebe wird durch nichts mehr erkältet und abgekühlt als durch die Selbstsucht und den Eigennutz, welcher auf die Liebe spekuliert.

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Junge Liebe besonders ist gar gern empfindlich und reizbar; sie ist noch nicht in Wettersturm und Sonnenhitze fest und kompakt geworden.

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Es ist mit der Liebe wie mit den Pflanzen: Wer Liebe ernten will, muß Liebe säen.

Gotthelf, Der Sonntag des Großvaters. Erzählung, 1852

Wo Liebe ist, da steht man alles aus und hat noch Freud’ dabei.

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Und was kein Königswort erzwingt, vermag die Liebe.

Keller (Hg.), Ein Gotthelf-Wort für jeden Tag. Ausgewählt und zusammengestellt von Helene Keller, Bern 1935

Liebe und Verstand muß man alle Tage als Schleifstein brauchen, wenn es gut kommen soll.

Gotthelf, Geld und Geist oder Die Versöhnung, 1843/44

Jedes Leben erstarret, wenn dem alten nichts neues, vollkommeneres zugeführt wird.

Keller (Hg.), Ein Gotthelf-Wort für jeden Tag. Ausgewählt und zusammengestellt von Helene Keller, Bern 1935

Wie Liebe mit Liebe zahlt, so zahlt auch die Selbstsucht mit gleicher Münze.

Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1838-39

Nur in der Liebe zärtlichem Hauch bildet im Menschen der Engel sich aus.

Gotthelf, Die Wassernot im Emmental am 13. August 1837, entstanden ab 1838, Erstdruck 1852

Ein Herz der rechten Art, welches viel Weh erduldet, fühlt den Wert der Liebe am innigsten.

Gotthelf, Die Käserei in der Vehfreude, 1850. Zehntes Kapitel: Es ereignet sich etwas, woran die Kommission gar nichts wirkt

Das Leben des Menschen ist der von Gott verordnete Fortbildungskurs – ein ganz anderer als der, der hier oder dort von der Obrigkeit angeordnet wird.

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Eine schwere, weite Reise liegt vor den Jungen; darum hat Gott ihnen Reisekraft und Lust in's Herz gegeben, wohl ihnen, wenn sie munter sind und klug, Lust und Zeit wohl nützen und sorgfältig achten auf den Weg.

Gotthelf, Käthi, die Großmutter, oder: Der wahre Weg durch jede Not, 1847

Denn es gibt in jeglichem Leben harte Schläge, wie es in jeglichem Sommer Gewitter gibt, und je schöner der Sommer ist, um so mächtiger donnern die einzelnen Gewitter über die Erde.

Gotthelf, Geld und Geist oder Die Versöhnung, 1843/44. Erster Teil

Ein Leben ist kein Licht; ein Licht kann ich wieder anzünden. Das Leben ist eine Flamme Gottes; einmal lässt er sie auch brennen auf Erden, dann nicht wieder.

Gotthelf, Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht, 2 Bde., 1843/44

Heil denen, welchen in diesem Leben Augen und Ohren aufgehen und das rechte Verständnis kommt, daß mitten in der Welt der Himmel errungen werden muß, wenn wir die Liebe bewahren, die Welt überwinden, den Himmel jenseits schauen wollen, daß wir Gott hienieden finden, unser Herz seine Herberge werden muß, wenn er droben uns herbergen, unser Teil werden soll in alle Ewigkeit.

Gotthelf, Uli der Pächter (auch: Ueli der Pächter), 1849