Schicke dich, geliebtes Kind, in unruhevolle Zeiten; dann und wann kann Sturm und Wind unverhofft in Hafen leiten. Nun ist wohl niemand besser dran, als wer getreu und klug und ewig lieben kann.
Als er Phillis einen Ring mit einem Totenkopf reichte Erschrick nicht vor dem Liebeszeichen, Es träget unser künftig Bild, Vor dem nur die allein erbleichen, Bei welchen die Vernunft nichts gilt. Wie schickt sich aber Eis und Flammen? Wie reimt sich Lieb' und Tod zusammen? Es schickt und reimt sich gar zu schön, Denn beide sind von gleicher Stärke Und spielen ihre Wunderwerke Mit allen, die auf Erden gehn. Ich gebe dir dies Pfand zur Lehre: Das Gold bedeutet feste Treu', Der Ring, daß uns die Zeit verehre, Die Täubchen, wie vergnügt man sei; Der Kopf erinnert dich des Lebens, Im Grab ist aller Wunsch vergebens, Drum lieb und lebe, weil man kann, Wer weiß, wie bald wir wandern müssen! Das Leben steckt im treuen Küssen, Ach, fang den Augenblick noch an!
Die verworfene Liebe Ich habe genug. Lust, Flammen und Küsse Sind giftig und süße und machen nicht klug. Komm, selige Freiheit und dämpfe den Brand, Der meinem Gemüte die Weisheit entwand. Was hab ich getan! Jetzt seh ich die Triebe Der törichten Liebe Vernünftiger an; Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz. Was quält mich vor Reu? Was stört mir vor Kummer Den nächtlichen Schlummer? Die Zeit ist vorbei. O köstliches Kleinod, o teurer Verlust! O hätt' ich die Falschheit nur eher gewußt! Geh, Schönheit, und fleuch! Die artigsten Blicke Sind schmerzliche Stricke; Ich merke den Streich. Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei Und zeigt meiner Schönen: Nun leb ich recht frei. Nun leb ich recht frei Und schwöre von Herzen, Daß Küssen und Scherzen Ein Narrenspiel sei; Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug. Geh, falsche Syrene, ich habe genug!
Am Abend Abermal ein Teil vom Jahre, abermal ein Tag vollbracht: Abermal ein Brett zur Bahre und ein Schritt zur Gruft gemacht. Also nähert sich die Zeit nach und nach der Ewigkeit; also müssen wir auf Erden zu dem Tode reifer werden.