Bei dir allein Bei dir allein empfind' ich, daß ich lebe, Daß Jugendmut mich schwellt Daß eine heit're Welt Der Liebe mich durchhebe; Mich freut mein Sein Bei dir allein! Bei dir allein weht mir die Luft so labend, Dünkt mich die Flur so grün, So mild des Lenzes Blüh'n, So balsamreich der Abend, So kühl der Hain, Bei dir allein! Bei dir allein verliert der Schmerz sein Herbes, Gewinnt die Freud' an Lust! Du sicherst meine Brust Des angestammten Erbes; Ich fühl' mich mein Bei dir allein!
Am Fenster Ihr lieben Mauern hold und traut, Die ihr mich kühl umschließt, Und silberglänzend niederschaut, Wenn droben Vollmond ist! Ihr saht mich einst so traurig da, Mein Haupt auf schlaffer Hand, Als ich in mir allein mich sah, Und keiner mich verstand. Jetzt brach ein ander Licht heran, Die Trauerzeit ist um, Und manche zieh'n mit mir die Bahn Durch's Lebensheiligtum. Sie raubt der Zufall ewig nie Aus meinem treuen Sinn, In tiefster Seele trag' ich sie, Da reicht kein Zufall hin. Du Mauer wähnst mich trüb wie einst, Das ist die stille Freud; Wenn du vom Mondlicht widerscheinst, Wird mir die Brust so weit. An jedem Fenster wähnt ich, dann Ein Freundeshaupt, gesenkt, Das auch so schaut zum Himmel an, Das auch so meiner denkt.
Ein dünner Faden ist das Leben, Doch aber zäh', unendlich zäh'; Er überdauert Lust und Reben, Er überdauert Wonn' und Weh'. Darum entschlage dich des Bangens, Zieh' ruhig, frage nicht um mich! Trotz alles Hangens und Verlangens Werd' ich auch leben ohne Dich!
Selbsttäuschung "Bist geworden älter, Bist geworden kälter!" Sag' ich oft zu mir; "Laß es dich nicht grämen, Nicht den Mut dir lähmen, Kannst ja nicht dafür! Jeder Tag verglühet, Jeder Lenz verblühet, Jede Stimme bricht, Jede flücht'ge Stunde Schlägt uns eine Wunde: Wir nur merken's nicht. Erst wenn tausend bluten, Will es uns gemuten, Daß die Kraft doch litt; Stein und Erz verwittert, Eich' und Zeder splittert, Und wir altern mit." – Das fühl' ich mit Schmerzen Oft so klar im Herzen, Bin so ernst, so still, Daß ich einen Schleier Über meine Leier Scheidend breiten will. – Und doch – wenn ich wieder Hoch von Alpen nieder Ausblick' in die Welt; Wenn ich in das Blaue Schwindelnd aufwärts schaue, Das der Mond erhellt; Wenn aus heil'gen Hallen Orgelklänge schallen, Wenn der Wildbach braust; Wenn die Wolkenfalten Blaue Blitze spalten; Wenn der Hochwald saust; Wenn ich, froher Dinge, Freundesbrust umschlinge, Mensch mit Menschen bin; Wenn's in muntren Kreisen Schallt von kräft'gen Weisen, Dann erwacht mein Sinn. Dann wohl fühl' ich's schlagen Wie in frühern Tagen, Manches meldet sich; Und das Aug' wird heller, Und der Puls wird schneller, und ich fühle mich. Und mir sagt's ein Sehnen: "Laß solch eitles Wähnen; Bist nicht, was du scheinst! Du wardst noch nicht älter, Du wardst noch nicht kälter, Bist noch jung wie einst!"