Der langsame Pfeil. Drücke den Pfeil zu schnelle nicht ab, der nimmer zurückkehrt: Glück zu rauben, ist leicht; wiederzugeben, so schwer?
Waren die Römer weiser und glücklicher, als es die Griechen waren? Und sind wir's mehr als beide?
Der Augenblick Warum denn währt des Lebens Glück Nur einen Augenblick? Die zarteste der Freuden Stirbt wie der Schmetterling, Der, hangend an der Blume, Verging, verging. Wir ahnen, wir genießen kaum Des Lebens kurzen Traum. Nur im unsel'gen Leiden Wird unser Herzeleid In einer bangen Stunde Zur Ewigkeit.
Langsam-kommendes Glück pflegt auch am längsten zu weilen.
Innre Schätze beglücken. Dir im Innern Lieget Edelgestein und Gold; da grabe In den Grüften. Von außen suchst du ewig Ruhe vergebens.
Verstand, o Mensch, und Wille sind die Waffen, Dein Glück zu schaffen.
Nirgend auf Erden blühet die Rose der Glückseligkeit ohne Dornen; was aber aus diesen Dornen hervorgeht, ist allenthalben und unter allerlei Gestalten die zwar flüchtige, aber schöne Rose einer menschlichen Lebensfreude.
Langsames Glück. Langsam-kommendes Glück pflegt auch am längsten zu weilen; Schnelle Vortrefflichkeit stehet am ehesten still. Vögel, entschlüpfend dem Ei, sind was sie sollen von Anfang; Langsam wächset der Mensch, aber zum Herrscher der Welt.
Denn dem Glück, geliebt zu werden, Gleicht kein ander Glück auf Erden.
Die zarten Bande, die das Weltall halten, De ewig-junge rege Sympathie, Die Himmelsgluth, in der die Wesen brennen, Wie willst Du anders sie als Liebe nennen?
Liebe, Du der Menschen göttlichster Verstand, Die des Unglücks Stürme siegend überwand, Die im Unglück fester Herz an Herzen band, Knüpfe Seel' an Seele, knüpfe Hand in Hand!
Liebe ist das edelste Erkennen, wie die edelste Empfindung.
Liebe ist unser Königreich aus dem Paradiese; worüber wir mit Liebe herrschen, das ist gewiß unser. Je weiter wir also dieses verbreiten, und je enger zugleich es an uns ziehen können, desto weiser und glücklicher sind wir, in den rechten Schranken des menschlichen Lebens.
Aber auch der tiefsten Liebe Wurzel stirbt im Herzen, wenn man sie nicht pflegt.
Wir leben in der Zeit; folglich müssen wir auch mit ihr und für sie leben und leben lernen.
Ein Traum Ein Traum, ein Traum ist unser Leben Auf Erden hier. Wie Schatten auf den Wogen schweben Und schwinden wir, Und messen unsre trägen Tritte Nach Raum und Zeit: Und sind (und wissen’s nicht) in Mitte Der Ewigkeit.
Schneller Gang ist unser Leben; Laßt uns Rosen auf ihn streun!
Wohl ihm, der bis auf die Neige Rein gelebt sein Leben hat!
Lied des Lebens Flüchtiger als Wind und Welle Flieht die Zeit; was hält sie auf? Sie genießen auf der Stelle, Sie ergreifen schnell im Lauf, Das, Ihr Brüder, hält ihr Schweben, Hält die Flucht der Tage ein. Schneller Gang ist unser Leben; Laßt uns Rosen auf ihn streun! Rosen, denn die Tage sinken In des Winters Nebelmeer; Rosen, denn sie blühn und blinken Links und rechts noch um uns her. Rosen stehn auf jedem Zweige Jeder schönen Jugendthat. Wohl ihm, der bis auf die Neige Rein gelebt sein Leben hat! Tage, werdet uns zum Kranze, Der des Greises Schläf' umzieht Und um sie in frischem Glanze Wie ein Traum der Jugend blüht. Auch die dunkeln Blumen kühlen Uns mit Ruhe, doppelt süß; Und die lauen Lüfte spielen Freundlich uns ins Paradies.
Der Strom des Lebens Fließe, des Lebens Strom! Du gehst in Wellen vorüber, Wo mit wechselnder Höh eine die andre begräbt. Mühe folget der Mühe; doch kenn' ich süßere Freuden Als besiegte Gefahr oder vollendete Müh? Leben ist Lebens Lohn, Gefühl sein ewiger Kampfpreis. Fließe, wogiger Strom! nirgend ein stehender Sumpf.
Jedes Lebendige freuet sich seines Lebens; es fragt und grübelt nicht, wozu es da sei; sein Dasein ist ihm Zweck, und sein Zweck das Dasein.