Johann Peter Uz (1720–1796)

9 Sprüche Aufklärung

Genieße deines Glücks! Die Kunst, sich zu erfreun, ist für den Sterblichen die Kunst, beglückt zu sein.

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Der Weise kann überall fröhlich seyn: sein wahres Vergnügen ist nicht an den Ort, noch an die Abwechslungen des Glückes gebunden, folglich auch seine Glückseligkeit nicht.

Uz, Versuch über die Kunst stets fröhlich zu seyn, 1760

Wie Menschen glücklich sind, kann der schon glücklich heißen, Der nicht von Dornen frey, die seinen Fuß zerreißen, Die Dornen selten fühlt und oft auf Rosen tritt, So freudig itzt genießt, als erst geduldig litt. Stets überwiegt bey ihm die Schmerzen das Ergötzen, Und Weisheit wird, was fehlt, aus ihrem Schatz ersetzen: Sie giebt Zufriedenheit, ihr schönstes bestes Kind, An deren Seite stets die wahren Freuden sind.

Uz, Versuch über die Kunst stets fröhlich zu seyn, 1760. Erster Brief. Originaltext

An Amor Amor, Vater süßer Lieder, Du mein Phöbus, kehre wieder! Kehre wieder in mein Herze! Komm! doch mit dem schlauen Scherze: Komm und laß zugleich Lyäen Dir zur Seite lachend gehen! Komm mit einem holden Kinde, Das mein träges Herz entünde, Und durch feuervolle Küsse Zum Horaz mich küssen müsse! Willst du, Gott der Zärtlichkeiten: Laß auch Schmerzen dich begleiten! Ich will lieber deine Schmerzen, Als nicht küssen und nicht scherzen.

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Alles fühlt die süßen Triebe, Auch der Stolz, der sie verschwur: Alles ladet euch zur Liebe, Jugend, Frühling und Natur.

Uz, J. P., Gedichte. Aus: Die Liebe

Die Nacht Du verstörst uns nicht, o Nacht! Sieh! wir trinken im Gebüsche; Und ein kühler Winde erwacht, Daß er unsern Wein erfrische. Mutter holder Dunkelheit, Nacht! Vertraute süßer Sorgen, Die betrogner Wachsamkeit Viele Küsse schon verborgen! Dir allein sei mitbewußt, Welch Vergnügen mich berausche, Wann ich an geliebter Brust Unter Tau und Blumen lausche! Murmelt ihr, wann alles ruht, Murmelt, sanftbewegte Bäume, Bei dem Sprudeln heischrer Flut Mich in wollustvolle Träume.

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Verweile nicht, dich zu entschließen, Und Tage zu genießen, Die uns die karge Zeit Nur wenig, wenig Monden leiht!

Uz, J. P., Gedichte. Aus: Sehnsucht nach dem Frühlinge

Wir wissen, wie wir leben sollen, und leben wie zuvor.

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Der Weise muß nach ächten Freuden streben, Die Klugheit würzt, und Reue nicht vergällt.

Uz, J. P., Gedichte. Aus: Die Wollust. Originaltext