Ständchen Gute Nacht! Mädchen, das der Liebe lacht, Und die kältesten der Männer, Und die größten Herzenskenner Alle zu Verliebten macht! Gute Nacht! Mädchen, das der Liebe lacht! Gute Nacht! Schön ist dieser Tag vollbracht! Reime haben wir gefunden, Kränze haben wir gewunden, Und gescherzt und viel gelacht! Gute Nacht! Schön ist dieser Tag vollbracht! Gute Nacht! Loses Mädchen! Gib doch Acht: Von den tausend schönen Reimen, Die dich loben, sollst du träumen, Gute Nacht! Bis die Lieb' in dir erwacht!
Einladung zur Liebe Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben? Seht, hier lieg ich in dem Schatten! Seht mich nur, ihr müßt mich lieben! Rosen blühen auf den Wangen, In den Adern glühet Feuer, In den Minen lacht Vergnügen, In den Augen locket Liebe, Und bewegen sich die Lippen, So bewegt sie Scherz und Freude. Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben? Seht, hier lieg' ich in dem Schatten! Mädchen, seht, wie schön ich liebe!
Liebe und Freundschaft Liebe, weg! Du zankst dich nur, Bist nur immer eifersüchtig! Siehst nur immer nach der Uhr, Bist, wie ihre Stunden, flüchtig! Freundschaft, bleib’! Du zankst dich nicht, Bist nicht immer eifersüchtig! Siehst in’s helle Sonnenlicht, Bist nicht unstät, bist nicht flüchtig! Komm’ und sitz’ auf meinem Schooß, Herrsch’ in meinem kleinen Staate! – Wie werd’ ich die Liebe los? Rathe, liebe Freundschaft, rathe!
Der Atheist Allerliebster Gott der Liebe, Die dich lieben, liebst du wieder. Ach! willst du mich denn nicht lieben? Doris ist noch immer spröde. Spanne doch den Bogen strenger, Nimm den ärgsten deiner Pfeile, Denn ihr Herz ist hart, wie Marmor. Mit der Kunst bered'ter Lippen, Mit der Macht vertrauter Schwüre, Mit der Staatslist deiner Lehrer, Mit der Wirkung meiner Waffen, Werd' ich es nicht leicht erobern; Denn sie ist zu stark bewaffnet. Sie versteht die Kunst zu siegen, Trotz dem besten deiner Krieger. Wirst du sie denn überwinden? Liebesgott! nur drei Minuten Glaub' ich noch an deine Pfeile; Hast du mir nach drei Minuten Diese Spröde nicht gebändigt: O! so will ich in der vierten Dich und deine Mutter leugnen.
Amor und die Nymphen Als blöde Nymphen einst Cytherens Sohn Aus Furcht vor seinen Waffen flohn, Da warf der kleine Gott in Eil' Den Bogen weg, lief ohne Pfeil Und ohne Kleid, in nackender Gestalt, Den blöden Nymphen nach in einen Myrthenwald! Und als die Nymphen da den Knaben ohne Waffen Und nackend sitzen sahn, Nicht fürchteten, ihn anzugaffen, Nicht scheuten, ihm zu nahn, Da rief aus einem Busch Diana: "Nymphen, wißt: Er ist gefährlicher, je nackender er ist!"
Pflicht zu verliebten Gesprächen In den lauten Nachtigallen Lockt und schlägt und jauchzt die Liebe; In der Lerche unterm Himmel Lobt und tiriliert die Liebe; In dem Enter auf dem Wasser Schwimmt und schnattert nichts als Liebe; In den Schwalben unterm Dache Zwitschert, baut und spricht die Liebe; In den Spatzen vor dem Fenster Lauscht und ruft und hüpft die Liebe; In dem Täuber, in der Taube Girrt und lockt und lacht die Liebe; In den Tönen meiner Laute Klingt und lobt und scherzt die Liebe; In dem Kind auf meinem Schoße Hüpft und scherzt und singt die Liebe: Alles Wild in freiem Felde, Alle Vögel unterm Himmel, Haben Stimmen zu der Liebe; Alles scherzt und spricht vom Lieben; Soll ich denn davon nicht sprechen?
Anlaß zum Schlafe Von Zefirs sanftem Säuseln Bin ich oft eingeschlafen; Vom Saft gepreßter Trauben Bin ich oft eingeschlafen; Im Schatten iunger Bäume, Vom Schwarm der muntern Bienen, Beim Sprudeln kleiner Quellen Bin ich oft eingeschlafen; Doch, soll ich ietzo schlafen: So müssen Küsse rauschen.
Die Pilger Wir sind die Pilger treuer Liebe, Wir gehn zu ihrem Tempel, still Zu flehn um Dauer unsrer Triebe: Wer ist, der mit uns gehen will? Der Weg ist weit, und viel zu streiten Mit vielen Feinden haben wir; O möchten Ritter uns begleiten Der treuen Liebe bis zur Thür! O stände sie den Pilgern offen, O kämen wir gesund hinein! Erhörung haben wir zu hoffen, Die Göttin soll erbittlich sein!
Das Leben ist ein Spiel, wie alle Spiele sind: Wer's nicht versteht, verliert, Und wer's versteht, gewinnt.
Berechne jeden Tag, wie viel der Stunden du Verwendet hast auf Mittagsruh, Wie viel auf Schmauserei, wie viel Auf Tanz und Spiel Und auf Geschwätz, das nicht Gespräch gewesen ist, Und dann, o Mensch, zieh ab und sieh, wie alt du bist.
Das Leben ist ein Traum Das Leben ist ein Traum! Wir schlüpfen in die Welt und schweben Mit jungem Zehn Und frischem Gaum Auf ihrem Wehn Und ihrem Schaum, Bis wir nicht mehr an Erde kleben: Und dann, was ist's, was ist das Leben? Das Leben ist ein Traum! Das Leben ist ein Traum! Wir lieben, uns're Herzen schlagen, Und Herz an Herz Geschmolzen kaum, Ist Lieb' und Scherz Ein lichter Schaum, Ist hingeschwunden, weggetragen! Was ist das Leben? hör' ich fragen: Das Leben ist ein Traum! Das Leben ist ein Traum! Wir denken, zweifeln, werden Weise; Wir theilen ein In Art und Raum, In Licht und Schein, In Kraut und Baum, Studiren und gewinnen Preise; Dann, nah' am Grabe, sagen Greise: Das Leben ist ein Traum!
Vorsatz Den flüchtigen Tagen Wehrt keine Gewalt; Die Räder am Wagen Entfliehn nicht so bald. Wie Blitze verfliegen, So sind sie dahin, Ich will mich vergnügen, Solang ich noch bin!
Die Weisheit, welche nicht, Wie du, verständlich spricht, Die laß nicht in dein Haus: Sie gibt sich nur für Weisheit aus!
An Leukon Rosen pflücke, Rosen blühn, morgen ist nicht heut! Keine Stunde laß entfliehn – flüchtig ist die Zeit! Trink und küsse! Sieh, es ist heut Gelegenheit! Weißt du, wo du morgen bist? flüchtig ist die Zeit! Aufschub einer guten Tat hat schon oft gereut! Hurtig leben ist mein Rat – flüchtig ist die Zeit!
Die Menschen, die du liebst, und die dich wieder lieben, Bewahr' dir Gott für Armut und vor Neid; Die schwerste Tugend auszuüben Ist die Dankbarkeit!
Du, der Gedanken denkt, und gern viel Worte spricht: Gedanken denke, nur in vielen Worten nicht!
Todesgedanken Ich bin noch nicht gestorben, Und wenn ich einmal sterbe, Dann will man mich begraben, Und dann soll ich vermodern, Und nicht noch einmal tanzen. Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Rosen pflükken, Weil ich den Duft noch rieche; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich noch Mädchens küssen, Weil ich den Kuß noch fühle; Jetzt, da ich noch nicht modre, Muß ich den Wein verbrauchen. Werd ich im Grab auch dursten?