John Galsworthy (1867–1933)

7 Sprüche Realismus

Der kühle Verstand lehnt es zwar ab, so etwas wie seelische Verwandtschaft unter Menschen gelten zu lassen – und Fälle, in denen eine Liebe auf den ersten Blick einem Leben neuen Inhalt und eine völlig neue Richtung gibt, sind ja auch äußerst selten – zum mindesten unter den Männern. Meist trifft es dann jene gefestigten, selbstsicheren Naturen, die es am wenigsten erwarten, daß das Schicksal gerade ihnen einen derartigen Streich spielen könne, die so wenig bereit sind, sich bedingungslos einer Empfindung hinzugeben, daß sie es oft nicht einmal merken, wenn ihr Geschick sie schon ereilt hat.

Galsworthy, Jenseits (Beyond), 1917

Wen die Liebe ergreift, der ist ihr verfallen […] Und wenn sie kommt, ist sie uns stets willkommen, gleichgültig, ob sie tötet oder nicht.

Galsworthy, Jenseits (Beyond), 1917

[Er] sann darüber nach, wie die Bilanz des Lebens für jeden Liebenden eine unerhört hohe Schuldsumme aufwies. Durch keine Kapitalerhöhung, durch keine Versicherung war man imstande, dieser lebenslänglichen Verschuldung zu entrinnen. Liebe stieß den Menschen in die Welt; Liebe füllte sein ganzes Leben aus, stürzte ihn in Glück und Unglück; und sobald er starb, wurde er […] von der Liebe begraben und vergessen.

Galsworthy, Das Ende vom Lied (End of the Chapter), Die Cherrell Chronik, dritter und abschließender Teil der Trilogie "Forsythe Saga" 1931-1933, Deutsche Hausbücherei 1933. Ein Mädchen wartet (A Maid in Waiting), 1931

Eine unglückliche Ehe! Keine schlechte Behandlung – nur jenes undefinierbare Unbehagen, jene furchtbare Frostigkeit, die alle Süße unter dem Himmel tötet. Und so fort, von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr, bis der Tod es endet!

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Wenn aber eine Frau einem Mann, den sie nicht wahrhaftig liebt, nichts versagt, dann fallen bald Schatten auf eine junge Ehe.

Galsworthy, Jenseits (Beyond), 1917

Die Vorsehung gibt uns nicht zweimal die Hand.

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Wenn Gott die allumfassende Wahrheit ist, dann kann er nicht ungnädig auf uns herabblicken, wenn wir uns selbst treu bleiben.

Galsworthy, Die dunkle Blume (The Dark Flower), 1913