Du kannst keinen Schritt gehen noch einen Lidschlag tun, ohne daß es mir einen Stich ins Herz gibt.
Glänzender Stern! Glänzender Stern! Wär ich doch stet wie Du – Nicht Schimmern, einsam aufgehängt zur Nacht, Und schlaflos, offnen Lides immerzu, Einsiedler der Natur, der duldsam wacht, Wie sich das Meer bewegt, das priestergleich Die Menschenküsten reinwäscht auf der Welt, Und auf den Schnee blickt, dessen Maske weich Auf Heideland und Hügel niederfällt – Nein – und doch stetig, stets unwandelbar, Gebettet auf der Liebsten junger Brust, Dem sanften Auf und Ab für immer nah, Für immer wach in ruheloser Lust, Stets, stets im Ohr den zarten Atemzug, Und wär so ewig – sonst nie tot genug.
Halt inne und bedenke! Das Leben ist nur ein Tag; ein zerbrechlicher Tautropfen auf seinem gefährlichen Weg aus dem Baumwipfel.
An meinen Bruder Georg Wie viele Wunder hab ich heut gesehn! Den heißen Kuß, mit dem das Sonnenlicht Des Morgens Träne trank, – im Abendlicht Lang tote Helden über Wolken gehn – Des Ozeans urewiges Phänomen: Das Meer, das Hoffnung trägt und Hoffnung bricht Und wilde urweltliche Sprache spricht Und grollt und seufzt von Werden und Vergehn. Und jetzt, Georg, da ich dir dieses schreibe, Lugt Cynthia bleich aus weißen Wolkenbänken, Ein wenig nur, als sei heut Hochzeitnacht. Und lade sie zu beßrem Zeitvertreibe. Doch hätt' ich nicht dies treue Deingedenken, Was wär des Meers und was des Himmels Pracht!