Joseph Victor von Scheffel (1826–1886)

27 Sprüche Romantik

Die Erinn'rung reinen Glücks Bleibt so schön wie Gegenwart!

Scheffel, J. V., Gedichte. Nachgelassene Gedichte

Das Glück läßt sich nicht jagen Von jedem Jägerlein; Mit Wagen und Entsagen Muß drum gestritten sein.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Mir ist's zu wohl ergangen, Drum ging's auch bald zu End', Jetzt bleichen meine Wangen, Das Blatt hat sich gewend't. Die Blumen sind erfroren, Erfroren Veil und Klee, Ich hab' mein Lieb' verloren, Muß wandern tief im Schnee. Das Glück läßt sich nicht jagen Von jedem Jägerlein, Mit Wagen und Entsagen Muß drum gestritten sein.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Liebe ist von allen Lehrern Der geschwindeste auf Erden, Was oft Jahre eh'rnen Fleißes Nicht erreichen, das gewinnt sie Mit dem Zauber einer Bitte, Mit der Mahnung eines Blicks.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Neuntes Stück. Lehren und Lernen

Eine traurige Geschichte Ein Hering liebt eine Auster Im kühlen Meeresgrund; Es war sein Dichten und Trachten Ein Kuß von ihrem Mund. Die Auster, die war spröde, Sie blieb in ihrem Haus; Ob der Hering sang und seufzte, Sie schaute nicht heraus. Nur eines Tags erschloß sie Ihr duftig Schalenpaar; Sie wollt' im Meeresspiegel Beschauen ihr Antlitz klar. Schnell kam der Hering geschwommen, Streckt seinen Kopf herein Und dacht an einem Kusse In Ehren sich zu freu'n! O Harung, armer Harung, Wie schwer bist du blamiert! – Sie schloß in Wut die Schalen, Da war er guillotiniert. Jetzt schwamm sein toter Leichnam Wehmütig im grünen Meer Und dachte: "In meinem Leben Lieb' ich keine Auster mehr!"

Scheffel, J. V., Gedichte

Andre Zeiten – andre Bilder (....), Andre Zeiten – andre Lieder (...), Doch die Liebe überdauert alle Zeiten.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Liebe und Trompetenblasen Nützen zu viel guten Dingen Liebe und Trompetenblasen, Selbst ein adlig Weib erringen Liebe und Trompetenblasen. Mög' es jedem so gelingen Wie dem Herrn Trompeter Werner An dem Rheine zu Säckingen!

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

In den Stürmen der Versuchung Hab' ich lang schon Ruh' gefunden, Doch dem Tugenhaftsten selber Kommen unbewachte Stunden! Heißer als in heißer Jugend Überschleicht der alte Traum mich, Und beflügelt schwingt des Katers Sehnen über Zeit und Raum sich. O Neapel, Land der Wonne, Unversiegter Nektarbecher! Nach Sorrent möcht' ich mich schwingen, Nach Sorrent, aufs Dach der Dächer. Der Vesuvius grüßt, es grüßt vom Dunkeln Meer das weiße Segel, Im Olivenwald ertönt ein Süß Konzert der Frühlingsvögel. Zu der Loggia schleicht Carmela, Sie, die schönste aller Katzen, Und sie streichelt mir den Schnauzbart, Und sie drückt mir leis die Tatzen, Und sie schaut mich an süß schmachtend – Aber horch, es tönt ein Knurren. Ist's vom Golf der Wellen Rauschen? Ist es des Vesuvius Murren? 's ist nicht des Vesuvius Murren, Der hält jetzo Feierstunde, – In dem Hof, Verderben sinnend, Bellt der schlechtste aller Hunde. Bellt der schechtste aller Hunde, Bellt Krakehlo, der Verräter, Und mein Katertraum zerrinnet Luftig in den blauen Äther.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Lieder des Katers Hiddigeigei

Bürschlein, Bürschlein, laß die Liebe! Liebe ist ein schlimmes Feuer, Frißt den, so es angeblasen, Und du bist kein Kohlenbrenner! Komm nach Haus zum grünen Neckar, Komm zu mir zum großen Fasse, 's birgt noch Stoffs genug, du magst drin Löschen deiner Liebe Glut!

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Dreizehntes Stück. Die Werbung

Nun liegt die Welt umfangen Von starrer Winternacht, Was frommt's, daß am Kamin ich Entschwundner Lieb gedacht? Das Feuer will erlöschen, Das letzte Scheit verglüht, Die Flammen werden Asche, Das ist das End vom Lied, Das End vom alten Liede, Mir fällt kein neues ein, Als Schweigen und Vergessen – Und wann vergäß' ich dein?

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Kaum daß ich ihm recht in die Augen geschaut, So ist der Traum schon beendet, O Liebe, was führst du die Menschen zusamm', O Liebe, was schürst du die süße Flamm', Wenn so bald und traurig sich's wendet?

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Aus den Liedern Margaretas

Ein Leben, dem das Liebste fehlt, Zerfliegt wie flücht'ger Atemzug.

Scheffel, J. V., Gedichte. Aus: Wiedersehen

Hohes fordert Anbetung, die höchste Erscheinung ist oft mit einfacher Liebe zufrieden.

Scheffel, Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert, 1855

Der Mensch nicht hat die Liebe, Sondern ist von ihr besessen.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Liebe ist ein schlimmes Feuer, Frißt den, so es angeblasen.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Das ist im Leben häßlich eingerichtet, Daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn, Und was das arme Herz auch sehnt und dichtet, Zum Schlusse kommt das Voneinandergehn. In deinen Augen hab' ich einst gelesen, Es blitzte drin von Lieb' und Glück ein Schein: Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! – Leid, Neid und Haß, auch ich hab' sie empfunden, Ein sturmgeprüfter müder Wandersmann. Ich träumt' von Frieden dann und stillen Stunden, Da führte mich der Weg zu dir hinan. In deinen Armen wollt' ich ganz genesen, Zum Danke dir mein junges Leben weihn: Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! – Die Wolken fliehn, der Wind saust durch die Blätter, Ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld, Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter, Grau wie der Himmel steht vor mir die Welt. Doch wend' es sich zum Guten oder Bösen, Du schlanke Maid, in Treuen denk' ich dein! Behüt' dich Gott! es wär' zu schön gewesen, Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein! –

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Aus deinem Auge wisch die Trän Sei stolz und laß die Klage; Wie dir wird's manchem noch ergehn Bis an das End' der Tage. Noch manch ein Rätsel ungelöst Ragt in die Welt von heute, Doch ist dein sterblich Teil verwest, So kommen andre Leute. Die Falten um die Stirne dein Laß sie nur heiter ranken; Das sind die Narben, die darein Geschlagen die Gedanken. Und wird dir auch kein Lorbeerreis Als Schmuck darum geflochten: Auch der sei stolz, der sonder Preis Des Denkens Kampf gefochten.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

An dem Ende seiner Tage Steht der Kater Hiddigeigei, Und er denkt mit leiser Klage, Wie sein Dasein bald vorbei sei. Möchte gerne aus dem Schatze Reicher Weisheit Lehren geben, Dran in Zukunft manche Katze Haltpunkt fänd' im schwanken Leben. Ach, der Lebenspfad ist holpernd, – Liegen dort so manche Steine, Dran wir Alte, schmählich stolpernd, Oftmals uns verrenkt die Beine. Ach, das Leben birgt viel Hader Und schlägt viel unnütze Wunden, Mancher tapfre schwarze Kater Hat umsonst den Tod gefunden. Doch wozu der alte Kummer, Und ich hör' die Jungen lachen, Und sie treiben's noch viel dummer, Schaden erst wird klug sie machen. Fruchtlos stets ist die Geschichte; Mögen sehn sie, wie sie's treiben! – Hiddigeigeis Lehrgedichte Werden ungesungen bleiben.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Lieder des Katers Hiddigeigei, XII.

Blasse Menschen seh' ich wandeln, Und die Klag' tönt allerorten: »Schal ist unser Tun und Handeln, Siech und alt sind wir geworden.« Wollt' euch nie bei euerm Forschen Die uralte Mär erklingen Von dem Brunn, darin die morschen Knochen wundersam sich jüngen? Und der Brunn ist keine Dichtung, Fließt so nah vor euren Toren, Euch nur mangelt Weg und Richtung, Ihr nur habt die Spur verloren. Drauß im Wald, im grünen, heitern, Wo die Menschenstimmen schweigen, Wo auf duft'gen Farrenkräutern Nächtlich schwebt der Elfenreigen: Dort, versteckt von Stein und Moose, Rauschet frisch und hell die Welle, Dort entströmt der Erde Schoße Ewig jung die Wunderquelle. Dort, umrauscht von Waldesfrieden, Mag der kranke Sinn gesunden, Und des Lenzes junge Blüten Sprossen über alten Wunden.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Ein' festen Sitz hab' ich veracht't, Fuhr unstet durchs Revier, Da fand ich sonder Vorbedacht Ein lobesam Quartier. Doch wie ich in der Ruhe Schoß Sänftlich zu sitzen wähn', Da bricht ein Donnerwetter los, Muß wieder wandern gehn. Alljahr wächst eine andre Pflanz' Im Garten, als vorher; Das Leben wär' ein Narrentanz, Wenn's nicht so ernsthaft wär'.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Vierzehntes Stück. Das Büchlein der Lieder, XI.

Die Geschichte hat ihre Launen im Erhalten wie im Zerstören.

Scheffel, Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert, 1855