Joseph Victor von Scheffel (1826–1886)

27 Sprüche Romantik

Das Leben wär' ein Narrentanz, Wenn's nicht so ernsthaft wäre.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Im Hafen erblickst du kein Segel, Keines Menschen Fußtritt am Strand; Viel tausend reinliche Vögel Hüten das einsame Land. [...] Gott segn' euch, ihr trefflichen Vögel An der fernen Guanoküst', Trotz meinem Landsmann, dem Hegel, Schafft ihr den gediegensten Mist!

Scheffel, Gaudeamus. Lieder aus dem Engeren und Weiteren, 1863. Aus: Guano

Die Falten um die Stirne dein Laß sie nur heiter ranken; Das sind die Narben, die darein Geschlagen die Gedanken.

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854. Lieder des stillen Mannes. Aus der Erdmännlein-Höhle

Auch ein ernstes gottesfürchtig Leben nicht vor Alter schützet, Mit Entrüstung seh' ich, wie schon Graues Haar im Pelz mir sitzet. Ja die Zeit tilgt unbarmherzig, Was der einz'le keck geschaffen – Gegen diesen scharfgezahnten Feind gebricht es uns an Waffen. Und wir fallen ihm zum Opfer, Unbewundert und vergessen; – O ich möchte wütend an der Turmuhr beide Zeiger fressen!

Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, 1854

Der Kern noch frisch, der Kopf ein wenig mürber, das Herz an guten und herben Erfahrungen reicher.

Scheffel, J. V., Briefe. An Eisenhart, 1862

Es ist mit des Menschen Gemüt wie mit dem Meere. Hat der Sturm auch ausgetobt, so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und untereinmal schäumt wieder ein nachzügelnder Wellensturz gewaltig auf und jagt die Möwen vom Fels.

Scheffel, Ekkehard. Eine Geschichte aus dem zehnten Jahrhundert, 1855. 21. Kapitel: Verstoßung und Flucht