Gar mancher Mensch besitzt ein Glück, von dem er keine Ahnung hat. Erst im Erkennen liegt die Fülle.
Auch ich habe eine schöne Bestimmung. Ich liebe und werde geliebt; ist das nicht genug?
Die Liebe wird nicht sterben. Jene Hügel der Gräber, Asche und Staub sind nur die Trophäen ihrer Unsterblichkeit.
Den Kelch der Liebe muss man genießen, wie die Biene den Blumenkelch. Sie nimmt nur das Gute, aber das Gift lässt sie liegen.
Was ist Liebe? Nicht Gedanke, nicht Stimmung, nicht Wille, – alles in Einem!
Manchem Hingeschiedenen erweist man die letzte Ehre; aber wer fragt nach der letzten Liebe?
Das Leben ist ein flüchtiger Gedanke, aber ein Gedanke voll Leben, groß genug um gelebt zu werden.
Man muss nicht nur die Bücher exzerpieren lernen, sondern das Leben selbst.
Das Leben ist ein gutes, aber ernstes Buch. Wenn man es durchgelesen und begriffen glaubt, muss man immer wieder von vorne anfangen.
Ach, wieviel Ballast in unserem Lebensschiff! Soviel, dass wir Gefahr laufen, unsere wertvolle Ladung in den Grund zu ziehen!
Das Leben ist kein Traum und wir nicht seine Schattengestalten. Die Zeit bleibt. Wir zwar vergehen; uns erbleichen die bunten Erscheinungen, das Licht, welches auf das reiche Gemälde fällt; allein wenn wir auch am Ende nichts gerettet hätten, als die selige Hoffnung, dort erst anfangen zu dürfen: wäre man umsonst geboren? Aber wir haben mehr.
Manche Freundschaft ist wie eine Schneeflocke. Wenn ein ernster, heißer Tag über sie kommt, erkennt man ihre Gestalt nicht mehr.
Erdenfreundschaften sind ein Zugemüse auf dem Speisezettel der leckeren Welt. Man kann sie genießen, ohne krank zu werden; aber man bleibt auch gesund ohne sie.
Es gibt Menschen, denen die Lust der Erde weniger Gefahr bringt, als ihre Last. Aber die Arbeit kann einen so gut um sein Heil betrügen, als der Genuss.
Mühe, Arbeit, Ernst sind die Fundamente aller bleibenden Güter. Und wer Gold gräbt, muss in die Tiefe, nicht in die Höhe.
Oft muss man die Zeit erhaschen, wie man einen Schmetterling an den Flügeln hält. Wird er aber dadurch nicht seine bunte Farbenpracht verlieren? Und nur bei Muße entfaltet auch die Muse ihr zartes, feenhaftes Leben.
Über manche bittere Lebenserfahrung sollte man nicht sprechen. Wird eine Pfütze kleiner, wenn man darin herumtritt? Sie wird nur breiter werden und wir schmutziger.
Danke deinem himmlischen Vater, dass auf deinem Lebenswege so mancher Wegzeiger steht. Und ist er auch aus hartem Holz gezimmert: genug, wenn er dich vor dem Verirren bewahrt.
Die Gedanken der Menschen haben überall ihre Ufer. Bei den einen sind sie flach verlaufend und niedrig, bei den andern hoch und trotzig abspringend. Gleichviel, es sind Ufer. Um sie herum wogt unübersehbar der große Ozean ihrer Beschränkung. Wie mancher tollkühne Schwimmer hat in diesen Wogen schon sein Grab gefunden!
Erdengedanken leben im menschlichen Herzen, wie unselige Geister. Wenn man alles längst gestorben und begraben glaubt, so erscheinen sie wieder zur nächtlichen Stunde und quälen uns.
Es ist etwas Eigenes um die Gedanken, wenn sie so daher kommen und füllen einem den Kopf. Man weiß eigentlich nicht: Woher? Und wozu? Doch – bewahre sie nur auf, wie eine sorgsame Hausfrau die übrigen bunten „Flecke“ ihrer Kleider! Der Riss wird sich finden, den du zu decken hast.