Manche Gaben, Kräfte, Gedanken fallen dem Menschen sozusagen in den Kopf hinein. Er empfängt sie, wie die Speisen in gewissen Anstalten, die durch ein kleines Schiebfenster plötzlich vorhanden sind. Niemand fragt: Wer kocht sie? Oder: Wie wurden sie gekocht? Genug, man hat sie!
Tief fühlende, wie tief denkende Menschen haben im Leben viele Leiden, oft an Leib und Seele. Die Gedankenlosen scheinen am leichtesten durchzukommen. Und doch – was ist Leben ohne Gedanken? Eine große, lange Sandwüste, aus der selbst eine tropische Sonne kein Blümchen erweckt.
Im Tode sehen wir edle Menschen oft noch einmal in heißer Liebe aufglühen, wie ein herbstliches Blatt, das sich mit schöner purpurner Röte färbt, bevor es niederfällt.
Bei nichts mehr, als bei der Erziehung, muss es heißen: „Und hätte ich alle Weisheit und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts nütze.“
Wenn man auf einen Blütenbaum ewig regnen ließe, um alles Ungeziefer sicher auszuwaschen, so müssten endlich mit dem Entbehrlichen wohl auch die Blüten herunterfallen. So ist’s in der Erziehung, wenn man allzu viel Worte und Ermahnungen macht.
Im Alter, wenn die Kräfte des Geistes und Leibes verschwinden, – wie seltsam ist es, hierin eine Vernichtung zu sehen? Wenn die Blätter des Baumes im Herbste abfallen, ist der Baum nun tot? Ein neuer Frühling wird ihn erwecken.
Wir nennen die Wege Gottes oft dunkel, aber die Finsternis liegt nicht auf seinen Wegen, sondern auf unseren Augen.
Weltweisheit, deine Diener stützen dich; Gottesweisheit, deine Diener stützest du!
Was sind die Millionen Sterne des Himmels? Brandopfer auf dem großen Altar des Universums. Ja, die Morgensterne loben ihn und du, mein armes Herz, bist oft so stumm?
Man kann nicht immer an Gott denken, aber man kann allezeit in ihmleben.
Alles, was uns Gott gemacht und gegeben hat, ist gut; aber wir haben keine Ruhe, bis wir alles wieder schlecht gemacht haben. Sind wir nicht, wie die Kinder mit ihrem Spielzeug? Es freut sie erst, wenn an jedem Stück etwas fehlt.
Es ist gut, dass der liebe Gott immer noch besser für und von uns denkt, als wir Menschen es voneinander tun.
Die Wahrheit fühlt ihre Grenzen in der Unendlichkeit und doch überschreitet man sie oft in einem Worte.
Du willst die Wahrheit nicht als einen leuchtenden Sonnenstrahl in dein Herz fallen lassen? Dann wird sie einst als zuckender Blitzstrahl deine Finsternis durchschneiden und wird verheeren, wo sie gesegnet hätte.
Die einfachsten Wahrheiten sind die größten. Sie sind die nötigsten, weil die vergessensten. Sie sind die schwersten, aber die segensvollsten. Und Geheimnisse macht die Wahrheit nicht, wem sie nicht selbst eines ist.
Es gibt Menschen, bei denen ihr Gemüt so selten hervortritt, dass es ihre Freunde machen müssen, wie gewisse Tiere der Wüste, wenn sie eine Quelle finden. Sie trinken auf drei Wochen.
Manche Seelen werden herangezogen durch Haben, aber manche auch durch Entbehren. Der Herr weiß am besten, wie er seine Arznei zu mischen hat. Denn in der Fremde lernt man oft erst die Heimat schätzen; ferne vom Heiland, weiß man, was seine Nähe ist.
Unser Gemüt ist wie eine Waage. Wenn die eine Schale durch den Druck der Erde niedersinkt, so steigt die andere in die Höhe.
Wie selten ist ein scharf ausgeprägter Charakter zu finden! Unsere Zustände haben die Masse zu einer abgeschliffenen, abgegriffenen Münze gemacht, aus allen Händen kommend, in alle Hände gehend. Auf dem Markt ist dies die gangbarste Münze; aber in die Schatzkammer der Menschheit kommt sie nicht.
Alle Veredlung des Menschen, die nur von außen kommt, ist wie die Blume, welche der Gärtner durch künstliche Befruchtung verschönert. Wie lange wird es währen, so fällt sie in ihre ursprüngliche Art zurück?
Die „Geister“ unter der Menschheit bereiten die Zeit vor, aber die Charaktere führen sie aus.