Julius Grosse (1828–1902)

7 Sprüche Romantik

Was ist das Glück? Was ist das Glück? Ein süßer Traum der Gegenwart, Den milde Genien aufgespart – Vergessen der Vergangenheit Mit ihrem Leid – Vergessen aller Zukunft auch, Verhüllt in goldnem Nebelrauch – Ein reicher Wonnetag allein Im Blitzesschein – Des Weltengeistes Anwesenheit, Das Vollgefühl der Ewigkeit, Kein Vorwärts mehr und kein Zurück – Das ist das Glück!

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Das Edelste an der Liebe ist das Vertrauen zueinander.

Grosse, Untreu aus Mitleid, 1868

Die echte Liebe blüht nur auf, wo sie sich unbelauscht weiß, sich selbst ein dunkel-süßes Geheimnis bleibt.

Grosse, Untreu aus Mitleid, 1868

Manchmal erklingen hör' ich's leise So wild im Sturm die Lebensreise Hinflutet sonder Ruh' und Rast, Manchmal erklingen hör' ich's leise: Du hast mich nie im Ernst gehaßt. Die Menschen nur so klug und weise, Sie löschen gern, was heilig brennt. Manchmal erklingen hör' ich's leise: Wir sind von Fremden nur getrennt. Und trägt ein Traum im Strahlengleise Die Seele hoch, von Gram betrübt, Manchmal erklingen hör' ich's leise: Du hast mich dennoch still geliebt.

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Lebensüberfluß Rauschende Bäche quellenden Lebens, Tönet wie Lieder in meine Ruh! Sehet, erfüllt ist's: nimmer vergebens Schau' ich in Sehnsucht den Wellen zu. Draußen in sommerdämmernder Laube Wiegt die holde Geliebte mein Kind, Hoch an dem Dache reift mir die Traube, Goldne Fäden die Parze spinnt. Schwellende Segel auf ruhigen Wogen Bringen mir Gäste, Früchte und Fracht; Meine Auen sind bienenumflogen, Nachtigallen singen bei Nacht. Rauschende Bäche quellenden Lebens, Spült ihr mich fort einst in Wogenschaum, Singen dann will ich: nicht vergebens Hab' ich geträumt den irdischen Traum!

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Der kennt diese Stimmung, der von einem liebgewordenen Ort scheiden will. Dann scheint es, als wenn alle Dinge von uns Abschied nehmen, eines nach dem anderen. Die Fäden sind gelöst, und wenn auch die leiblichen Sinne noch das Bild der Umgebung empfangen, die Seele selbst ist schon getrennt davon. So muß es sein in Stunden, die dem Tode vorangehen.

Grosse, Ein Frauenlos, 1888

Unsere Schicksale sind nicht außer uns, sondern in uns und unserem Willen.

Grosse, Maria Mancini, 1871