Seliger Ausgang Das höchste Glück hat keine Lieder, Der tiefste Schmerz hat keinen Laut, Sie spiegeln beide still sich wieder Im Tropfen, der vom Auge taut. So einen sich in stummen Zähren Das höchste Glück, das tiefste Leid, Bis sie in Liebe sich verklären, Anbetend in Gottseligkeit.
So öffne dich, o Herz, der Liebe, schließ ihre Strahlen in dich ein. Dann wird's in Nächten bang und trübe, in deinem Innern Frühling sein.
Was das Leben auch hienieden uns an Wonne bieten mag, Süßeres wird uns nie beschieden als ein Liebesfrühlingstag.
Der Liebe Wundermacht Liebe kann nur dich erheben Aus dem Staub, der dich umwallt; Liebe nur verleiht dem Leben Heilig göttliche Gestalt. Frei ist nur, wen sie bezwungen, Glücklich nur, wen sie beglückt, Mächtig nur, wen sie durchdrungen, Und nur schön, wen sie geschmückt.
Das sind die schönsten Lieder, für die kein Wort genügt, um deren zarte Glieder kein Reimgewand sich fügt. Die tief in uns erklingen, und still in uns verweh'n, und doch zu denen dringen, die liebend uns versteh'n.
O Liebe, deine Gedanken Sind höher als Himmelshöh! O Liebe, deine Gedanken Sind tiefer als die See! O Liebe, deine Gedanken Sind schneller als der Wind, Und leuchtender viel tausendmal, Als Sonnenstrahlen sind.
Die Liebe als Recensentin Der Kukuk hat ein einzig Lied Auf seinen Schatz erdacht, Das wird er nicht zu singen müd' Von früh bis in die Nacht. Sein Schätzlein sitzt auf grünem Zweig, Hört unermüdlich zu, Und denkt, es singt im ganzen Reich Doch keiner wie mein Kuku.
Liebe Die Liebe ist der stolzeste der Triebe, Sie kehrt den Rücken dem, der Gold ihr bot; Und alle Triebe freister ist die Liebe, Sie lächelt nur, wenn ihr mit Ketten droht. Die Liebe ist der treu'ste aller Triebe, Sie harret aus in jeder Erdennot; Und aller Triebe stärkster ist die Liebe, Denn Liebe überwindet selbst den Tod.
Lieb' im Glück und Lieb' im Leid Lieb' im Glück, du bist die Rose, Die, getragen von der Flut Duft'gen sonnenklaren Weines, Auf dem goldnen Becher ruht; Lieb' im Leide, du der Tropfen, Der dem Balsamstrauch entquillt, Und der, reich an milden Kräften, Wunden kühlt und Schmerzen stillt.
Wenn mir sonst nichts übrig bliebe, Alles mir die Welt geraubt, Und es bliebe mir die Liebe: Selig, wer an Liebe glaubt!
Bedenk', bedenk', o Menschenkind, Dein Leben ist wie Spreu im Wind, Der Tod hat schnelle Flügel! Wer weiß, wie bald der Morgen graut, Wo man das letzte Haus dir baut, Sein Dach auf grünem Hügel. Was jagst du mit so viel Beschwer Nach Gold und Macht, nach Ruhm und Ehr?
Nicht wünsch' ich zurück Der Jugend Glück, Ihr Träumen, Sehnen und Hoffen, Als noch die Zukunft vor mir lag Weit offen. Ich habe gestrebt, Solang ich gelebt, Und viel gekämpft und gelitten, Drum halt' ich wert, was ich als Preis Erstritten. Mir ist es genug, Daß frei von Trug Und Täuschung mir wurde beschieden Im tiefsten Innern Harmonie Und – Frieden.
Wie glücklich! Du führtest einem heil'gen Amt Auf schönen Pfaden mich entgegen Und hast die Kraft in mir entflammt Und gossest auf mich deinen Segen, Und machtest sanft und leicht mein Joch: O Gott, wie glücklich bin ich doch! Der Friede wohn in meinem Haus, Es geht mich leuchtendem Gefieder Ein heit'rer Engel ein und aus, Erzählt mir Märchen, singt mir Lieder Und schenkt mir gold'ne Träume noch: O Gott, wie glücklich bin ich doch! Und einer heil'gen Flamme gleich, Die auf dem goldnen Leuchter glühet, Ist sie, die treu und anmutreich Sich liebend nun um mich bemühet Je länger um so lieber noch: O Gott, wie glücklich bin ich doch! Es spielt um mich ein holdes Kind, Es grüßen helle Augensterne, Die Tage fliehen wie der Wind, Und von der Zukunft träum' ich gerne; Mein Kind, ein Mann! erleb' ich's noch? O Gott, wie glücklich bin ich doch! Wohl weiß auch ich, was Trübsal heißt, Und hab's bei früher Zeit erfahren; Doch in dem Kampf erstarkt der Geist, Und die Geduld wächst mit den Jahren, Und Hoffnung bleibt am Grabe noch: O Gott, wie glücklich bin ich doch!
Radbot und Wolfram Herr Radbot vor der Taufe sprach: "Heil'ger Gottesmann, wo weilt der größte Haufe, der dieser Welt entrann?" Und Wolfram drauf: "Im Himmel ist noch für viele Raum, doch drunten das Gewimmel umfaßt der Hölle Raum." Da rief der arge Heide: "Dein Taufen acht ich klein; denn ich will, wenn ich scheide, beim größten Haufen sein."
Was Gott dir gibt Was Gott dir gibt, das wahr' als Pfand Von seiner Gnad' und Treue Und schling darum der Liebe Band Mit jedem Tag aufs neue. Und was er nimmt, das laß ihm gern, Es ist wohl aufgehoben, Es kommt die Zeit, wo du den Herrn Auch dafür lernest loben.
So viel ich Bücher auch gelesen, So reich einst meines Wissens Schacht, Das Alter hat mit seinem Besen, Vergeßlichkeit, Kehraus gemacht. So blieb von dem, was mein gewesen, Zuletzt nur, was ich selbst gedacht.
Gib mir ein Auge, wie die Sonne klar, und mache mir dein Wesen offenbar. Gib einen Geist mir, wie die Lüfte frei, damit ich nur in dir gebunden sei. Gib einen Glauben mir, wie Felsen fest, der sich von keinem Sturm erschüttern läßt. Und gib ein Herz mir, wie die Quelle rein, und tauche tief mich in die Fluten ein.
Der Tag neigt sich zu Ende, Es kommt die stille Nacht; Nun ruht, ihr müden Hände, Das Tagwerk ist vollbracht. Du aber, Seele, ringe Dich von der Erde los, Und werde leicht und schwinge Dich auf in Gottes Schoß. Hinauf mit Glaubensflügeln, Die Liebe fliegt voran, Wo über dunkeln Hügeln Der Himmel aufgetan.
Über Nacht, über Nacht kommt still das Leid, Und du bist erwacht, O traurige Zeit! Du grüßest den dämmernden Morgen Mit Weinen und Sorgen. Über Nacht, über Nacht Kommt das stille Glück, Und du bist erwacht, O selig Geschick! Der düstere Traum ist zerronnen Und Freude gewonnen. Über Nacht, über Nacht Kommt Freud und Leid, Und eh du's gedacht, Verlassen dich beid' Und gehen, dem Herren zu sagen, Wie du sie getragen.