Karl Gutzkow (1811–1878)

103 Sprüche Romantik

Ein jedes Glück ist demjenigen vergänglich, der nicht in sich selbst den Himmel trägt und schon aus sich allein die Quellen strömen läßt, die seinen Durst nach Seligkeiten stillen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Positives Glück gibt es auf Erden nicht. Irdisches Glück heißt –: Das Unglück besucht uns nicht zu regelmäßig.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Ein ganzes Unglück verdrießt uns nicht so sehr, wie ein nur zur Hälfte eingetroffenes Glück.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Glück verbreiten wir nur da, wo wir nicht an unser eigenes denken.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wahrhaftig ist doch nur das ein Glück, das sich mit andern teilen läßt.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wenn man sich recht herzlich freut, daß jemand Glück hatte, so ist damit noch nicht gesagt, daß man ihm auch einräumen will, das Glück verdient zu haben.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Wem es nicht ein Bedürfnis geworden ist, glücklich zu sein, der wird es niemals werden.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Das durch Mühe erworbene Glück ist allein ein wohltuendes. Es gewährt zugleich die Behaglichkeit eines physischen Ausruhens.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Bewundern ist und Lieben eins beim Weib [...].

Gutzkow, Uriel Acosta. Trauerspiel in fünf Aufzügen, 1847. 1. Aufzug, 1. Auftritt, Ben Jochai

Jüngling, hast du ein Mädchenherz gefunden, das du liebst, so lass' es nicht unter die Räder deiner Entwickelung kommen!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Die Liebe der meisten Männer ist nichts, als eine Huldigung, welche sie sich selbst bringen.

Gutzkow, Wally, die Zweiflerin, 1835

Die Welt ist sehr arm an solcher Liebe, die nicht liebt, um wieder geliebt zu werden, die sich auch bewährt in der Demütigung, daß man sie nicht erhört.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Die erschlossene Knospe ist das Geständnis der Liebe! Nicht zu spät komm' es, auch auch nicht zu früh!

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Nur die Liebe bedarf keines Buches. Sie liest die größten Schätze der Weisheit und der Wahrheit im Auge der Geliebten.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Die geheime Mischung von Liebe und Interesse kann kein Scheidekünstler der Welt in ihre Urbestandteile auflösen.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Nicht Gold, nicht Edelsteine können ein Weib wahrhaft glücklich machen, sondern nur das Gefühl, geliebt zu werden, und darin sind sie alle gleich, die Vornehmen und Geringen, die Reichen und die Armen.

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851

Die Liebe ist uns gegeben, den Tod willkommen zu heißen. Wir gehen so gern, löscht eine Kerze nach der andern aus.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Anatomisch genommen lieben wir nicht mit dem Herzen, sondern eben so, wie wir denken, nur mit dem Kopf. Darum sollte man nur da von einem »gebrochenen Herzen« sprechen, wo bereits die Saiten der Vernunft gerissen sind und der Geist sich in dunklen Wahn verhüllte.

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Das Wort »Lieben« wird durch jeden Zusatz schwächer. "Ich liebe dich wie mein Leben!" – oder "Ich liebe dich sterblich!" – ist lange nicht so viel, wie das einfache: "Ich liebe dich!"

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Ach, nur nicht Mitleid für Liebe!

Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis. Denksprüche, 1868

Die Liebenden quälen sich wechselseitig am meisten... und keiner wohl bereitet sich das Gift des Todes oft willenlos geflissentlicher als die, ... die sich das Leben sind!

Gutzkow, Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern, 1851