Ich komme zu dir in der Nacht Ich komme zu dir in der Nacht, Und auf die Stirn gar lind und sacht Leg ich der Liebe treue Hand, Daß sie die bösen Schmerzen bannt. Ich neige mich auf dein Lager nieder Und streichle deine zarten Glieder. Den brennend sehnsuchtskranken Mund Küß' ich mit einem Kuß gesund. Mein Lieb, hörst du mich denn nicht kommen? Ich gleite durch die weite Nacht, Hab' meinen Flug zu dir genommen, Ich weiß, auch deine Seele wacht. Sie sucht des Freundes Bild im Schatten Und will vor Harren fast ermatten, Denn lange, lange währt die Frist, Bis ihr der Freund beschieden ist. – Fühlst du mich nicht? O laßt euch rühren, Geheime Geister der Natur! Laßt Blick und Hand und Hauch sie spüren, Als sei ein Traum die Trennung nur!
Die Winterwasser rauschen, dem Bache muß ich lauschen, der unterm Brückstein quillt; so rauscht das junge Leben und will das Schicksal heben und gurgelt so und schwillt; die Quadern bleiben liegen, das Wasser muß sich schmiegen, und schäumt's auch noch so wild.
Nicht genug! Lebenswogen, Kaum verzogen, Was ich ringend je ertrug: Neue wollen Mich umrollen, 's ist noch lange nicht genug. Schicksalsschmiede, Drin zum Liede Stark der Hammer auf mich schlug: Frische Hitze, Funkenblitze! 's ist noch lange nicht genug.
Leben Schaumgekrönter Überschwang, Roter Blütenrausch – Melancholischer Gesang, Welkes Blattgerausch. Silberheller Jubelchor, Jauchzen Berg zu Tal – Stilles Schluchzen, schwarzer Flor, Schütternder Choral. Mir ein süßer Herzenswahn, Dir ein bittrer Hohn – Heute winkt ein Kanaan, Morgen ist's entflohn ...
Trotziges Leben Höhnisch Heulen Von herben Winden! Rauhe Schauer Rieseln durch Mark und Bein. Wirbelnde Blätter Von den Linden Schleifen in öden, Schlüpfrigen Schlamm hinein. Wolken weinen da droben; Pessimistische Zähren Spritzt mir der Sturm ins Gesicht – Leben voll Jammer und Schwären! Trotzig dich wehren! Kämpfend verklären! Lockenschüttelnd das Haupt erhoben, Seele voll Licht! Freude gebären! Modre, vermodre Du nur, du nur im Sumpfe nicht!
Lebensbrot Gib es nicht den Vielen, Sie verstehen's selten: Flug zu feinsten Zielen Lassen sie nicht gelten. Plump ins Auge springen Muß, wozu sie drängen, An den Außendingen Bleibt ihr Wille hängen. Messen alle Gabe Nach der Gier der Meisten, Wähnen, alles trabe Nach gemeinem Leisten. Mögen's nie erfassen, Daß die Himmelskronen Sich erringen lassen Nur durch Höllenzonen. Daß ein köstlich Winken, Süß wie Frauenkosen, Mild wie Sternenblinken, Liegt im Absichtslosen. Daß die tiefen Nornen Höchstes ihm erlosen, Dem aus schwarzen Dornen Blühen weiße Rosen. Daß zum seligen Grale Führen mystische Weisen, Aus der Schmerzensschale Lebensbrot zu speisen.
Die kommenden Tage Es weht ein Gespinst um die Brunnen der Nacht, Drin flattern die Wünsche des Lebens, Die einen so glühend, die andern so sacht Im Dunkel erwacht – Die Nornen sie wirken's und weben's. Versunken in brütenden Gründen, was war, Was sein wird, entbrodelt den Tiefen – Es steigen die Stunden, es jüngt sich das Jahr, Aufschimmert die Schar Der Tage, die schattenhaft schliefen. Nun schlürfen sie Blut an den Brüsten der Zeit, Schon wiehert das Kampfroß der Frühe, Der Hahn schlägt weitauf die Flügel und schreit In die Ewigkeit, Und Flut rauscht aufs Mühlrad der Mühe.
Mit dem ›Du‹ im Herzen darf man schweigen, Um so tiefer dann sein Innres zeigen, Wenn die Stunde kommt, da ganz allein Leben sich dem Leben drängt zu weihn… Und es ist ein still beständig Wissen, Und es ist ein ruhiges Vertrauen: Unser Freundeskranz wird unzerrissen Schweben in Maienlüften wie in rauhen Sturmesnächten schlimmeren Geschicks… Nein, es ist kein Rausch des Augenblicks, Wie ihn rasches Jugendblut verdampft, Keine Traumsaat, die der Tag zerstampft – Wir belauschen unser altes Spiel Und gedenken und besinnen viel…
Doch selbst, wenn alles … nur Traum und Utopiawäre, unser Lied ist und wirsind. … Ein Leben und Buch voll Wahrheit, Irrtum und Widerspruch, voll Sehnsucht, Glauben, Verzweiflung, Erfüllung, Verzicht und Erlösung, voll Hohnlachen, Groll und Empörung, voll Sonne, Gewitter, Freude und Elend, Klage, Jammer und Jubelschall, voll Quellenrauschen und Gipfelhauch, voll Stille und Sturm, Ruhe und Reigentanz der unergründlichen Seele.
Hymnus an das Leben Du, brausend aus ewig schwangerer Nacht Und ewig zeugendem Lichte, Aus feuchtem Brodem und Glut entfacht, Verwegenstes der Gedichte: Geträumt von Gott, dem ursprünglichen Geist, Dem Grund des Abgrunds entquollen, Du, das da schäumt und zittert und kreist – Wie rollen Geheimnisvoll die Rhythmen des Alls Durch deine dämonischen Fluten, Im Wirbel der Wollust, im Schrei des Metalls, In gewitterflammenden Ruten! Im adlerschwebenden Gletschersang Der unbesieglichen Seelen, Im schattendämmernden Untergang – In Höhlen Der schwelenden Wut und des heimlichen Leids, Im Feuer der stolzen Empörung, In blühender Rosen berückendem Reiz, In seliger Sehnsucht Erhörung. In lachender Laune weltheiterem Laut, In Genien, der Urkraft ergeben, Was da atmet und schwingt, was da leuchtet und taut: Du Leben!
Neues Leben Fass' es, Mensch, und wirf zusammen Alles nun in einen Brand, Was zur Schwäche mag verdammen, Was mit Feigheit dich umwand. Soll dich etwas so bedrohen, Dass es willenlos dich beugt? Gib's dem Feuer! Lass es lohen! Sei der Geist, der selbst sich zeugt! Deine Flamme sei die Stunde, Deine Wiege der Moment – Sei mit jener Macht im Bunde, Die kein Recht von gestern kennt. Wisse, Schuld wird ungeheuer, Die ihr Konto nie zerreißt – Lass es lohen! Gib's dem Feuer! Sei der Zeuger, sei der Geist!
Jahresringe Baum, wachse und sei guter Dinge! Und macht dir der Frost mal Beschwerden, Ein Glück, daß die Jahresringe Zum Panzer des Markes werden!
Gott Was soll der häßliche Weltriß? Das All in Stücke zerschellt! Gott ist das Liebesverhältnis Der Teile der ewigen Welt.
Blutige Wahrheit »Gebt mir eine Riesenbombe, Und ich will die Welt befrein!« – Narr! Auf deiner Hekatombe Wird ein neuer Riesenhaufe Morgen nach der roten Taufe: »Cäsar Heil! Heil Mammon!« schrein Und der »Freiheit« deiner Bombe In den schäumenden Blutkelch spein.
Möwenlied So fliege, Du Möwe Der Seele, hinaus Und wiege Dich höher Und tiefer im Braus! Es lebt sich Das Leben Noch einmal so schön, Wenns hebt sich Und senkt sich In Wonnen und Wehn. Laß spritzen Die Wogen, Laß schäumen den Gischt, Kommts blitzend Geflogen, Hei wie das erfrischt! Und wills dich Verstimmen, Wenn Sumpfvögel schrein, So wirf dich Zum Schwimmen In offene Meere hinein! So fliege, Du Möwe Der Seele, hinaus, Und wiege Dich höher Und wage dich tiefer im wogenden Braus!
Ruhe, meine Seele Nicht ein Lüftchen Regt sich leise, Sanft entschlummert Ruht der Hain; Durch der Blätter Dunkle Hülle Stiehlt sich lichter Sonnenschein. Ruhe, ruhe, Meine Seele, Deine Stürme Gingen wild, Hast getobt und Hast gezittert, Wie die Brandung, Wenn sie schwillt! Diese Zeiten Sind gewaltig, Bringen Herz und Hirn in Not – Ruhe, ruhe, Meine Seele, Und vergiß, Was dich bedroht!
Ausgleich Wie des Sees Silberspiegel Leis bei halbbedecktem Himmel Jene mattverhüllte Sonne Schattenblinkend wiederscheint ... Zittert meine Seele sacht – Schwebend zwischen Licht und Dunkel – Und die Blendung ist gebrochen Und die Finsternis versöhnt.
Zeichen der Seele Ist das noch derselbe Himmel, Der sich über mir gespannt, Als im flackernden Gewimmel Wilder Feuer ich gebrannt? Ist das noch dieselbe Erde, Die mein rascher Fuß betrat, Als mit glühender Gebärde Ich geschleudert Zukunftssaat? Erd' und Himmel sind die gleichen, Und die gleichen Sonnen lohn, Doch die Seele rückt ihr Zeichen In begrenzte Felder schon. Schritt für Schritt wird nun gemessen, Noch im Schwunge geizt die Hand, Rann doch zu viel Korn indessen Auf Morganas Wüstensand ...
Mensch und Partei Wuchs und Rasse spotten der Regel, Blut geht tiefer als Feldgeschrei: Edelleute und Herrgottsflegel Gibt es stets bei jeder Partei.