Karl Julius Weber (1767–1832)

40 Sprüche Klassik

Allerwärts klagt der Mensch Natur und Schicksal an, und sein Schicksal ist doch in der Regel nur Nachklang seines Charakters, seiner Leidenschaften, Fehler und Schwächen.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Die Leidenschaften

Die Erziehung der Perser ging von vier Punkten aus: Gut schießen, gut reiten, nicht borgen und nicht lügen.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Die Lügen

Zum Erzieher muß man eigentlich geboren sein wie zum Künstler.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Einfluß der Erziehung

Ehen, aus leidenschaftlicher, blinder Liebe geschlossen, geraten selten.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Die Liebe

Es ist auch ganz gut, wenn die Frau Wasser unter den Wein mischet; Eheleute sagen einander in einer Woche mehr Wahrheiten, als der Ehelose in Jahren erfährt, und das ist noch besser.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Die Ehe

Wer den Lebensbecher bis auf den Grund ausleeren will, muß sich vernünftigerweise auf die gewöhnliche Hefe gefaßt machen oder auf Kaffeesatz.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter

Gott wird mich bewahren vor der Schwäche oder dem Stolze vieler Alten, die jeden für einen Esel halten, der nicht grau ist [...].

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter

In der Kindheit beschränkt sich unsere Liebe auf Eltern, Geschwister und Schulkameraden, in der Jugend aufs Geschlecht; im mittlern Alter lieben wir Vaterland, Ehren, Studien, im Alter die Menschheit.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter (Der Schluss)

Der Genuß der Ruhe und heitern Betrachtungen ersetzt dem Greise besserer Art alles Feuer seiner Jugend, und je stürmischer seine Leidenschaften waren, desto höher schätzt er die Unabhängigkeit von der Welt [...].

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter (Schluss)

Das Urteil des Greises zittert weniger als sein Haupt.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter (Fortsetzung)

Wir gleichen im Alter einem Luftschiffer, der getrennt von der Erde im umgeheuern Raume schwimmt, mit dem erhabenen Vorgefühl der Hoffnung, wenn die Seele sich vom Leibe trennt, wie der Luftschiffer von der Erde, und im Alter lernt man vieles, was man in der Jugend nicht begreifen wollte, folglich auch die Verschiedenheit der Seele und des Leibes.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter (Schluss)

In der Regel fängt man mit fünfzig an, der Welt satt zu werden, mit sechzig ist's die Welt müde mit uns, und im siebenzigsten heißt's Adieu Partie!

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das Alter

Gott braucht weder Weihrauch noch Myrrhen, weder Kerzen, noch Gebet, Gesang und Musik, weder Messen noch Predigten und Tempel – und daher bleibt das Wort Gottesdienst = Frohndienst, ein dummes Wort, das alle richtigen Ansichten von Religion verrückt.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Weitere Religionsbetrachtungen eines einfältigen Laien

Das Wörtchen vielleicht ist das wahrste Wort in unserer Sprache.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Die Lügen

Nichts ist orthodox als die Wahrheit, und nichts heterodox als der Irrtum.

Weber, Die Möncherey oder geschichtliche Darstellung der Kloster-Welt, 3 Bde., 1819-20

Nur Kinder und Narren reden die Wahrheit, und Gott hätte schon längst wieder eine zweite Sündflut über uns verhängt, hätte die erste etwas geholfen.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Über das Naive

Große, starke Seelen sind selten ärgerlich, desto mehr aber schwache Männer und fast alle Weiber.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Der Zorn

Der Charakter der Menschheit ist Vernunft, modifiziert durch Sinnlichkeit.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Das geistige Lachen. Einbildungskraft

Seelenstärke ohne Seelengröße bildet die bösartigen Charaktere, wie wir sie in den höhern Sphären der Macht und der Ehre nicht selten finden.

Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen, 12 Bde., 1832-40. Zucht des Temperaments, Charakter