Karl Schönhardt
Kurze Trennung Früh morgens reist' ich weg, kaum schied die Nacht; Ich habe nur an dich, an dich gedacht. Vor deinem Fenster ging ich noch vorbei: Ahnt' dir's im Traume, wer dir nahe sei? Der Morgenstern am lichten Himmel stand, Die Drossel schlug im nahen Gartenland. Still lag das Haus, dein Fenstervorhang zu – O schlumm're fort, mein Herz, in Herzensruh'! Der blonden Flechten off'ne Welle quillt Wohl um dein liebes Antlitz, liebes Bild! Schütz' dich der Himmel und behüt' dich mir, Bis mich der Abend wieder bringt zu dir! O kurze Trennung, süßes Wiedersehn, Die ihr das Glück macht immer neu erstehn; Nun steigt der Morgen siegreich hell empor, Die Sonne schreitet überm Berg hervor. Weiß wogt's am Walde, der sich licht belaubt, Wie Schleier um ein kränzetragend Haupt. Die Wiesen duften, diament'ner Tau Liegt wie ein Brautschmuck auf der sammt'nen Au. Die Morgenglocken weckt in jedem Thal Das heil'ge Licht, es wächst der Sonne Strahl. O wandle hoch am Tag und neige dich, Zum Westen eilend, über sie und mich!