Karoline von Günderrode
Den Verlust deiner Liebe könnte ich nicht ertragen. Versprich mir, mich nimmer zu verlassen. O du Leben meines Lebens, verlasse meine Seele nicht.
Der Kuß im Traume Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht, Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten, Komm, Dunkelheit! mich traulich zu umnachten, Daß neue Wonnen meine Lippe saugt. In Träume war solch Leben eingetaucht, Drum leb‘ ich, ewig Träume zu betrachten, Kann aller andern Freuden Glanz verachten, Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht. Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen, Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen Und mich verzehren seiner Sonne Gluten. Drum birg dich Aug‘ dem Glanze ird’scher Sonnen! Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen Und heilt den Schmerz wie Lethes kühle Fluten.
Ist alles stumm und leer Ist alles stumm und leer; Nichts macht mir Freude mehr; Düfte, sie düften nicht, Lüfte, sie lüften nicht; Mein Herz ist so schwer! Ist alles öd‘ und hin; Bange mein Herz und Sinn; Möchte, nicht weiß ich, was; Treibt mich ohn‘ Unterlaß, Weiß nicht, wohin! Ein Bild von Meisterhand Hat mir den Sinn gebannt; Seit ich das holde sah, Ist’s fern und ewig nah, Mir anverwandt. Ein Klang im Herzen ruht, Der noch erquickt den Mut, Wie Flötenhauch ein Wort, Tönet noch leise fort, Stillt Tränenflut. Frühlinges Blumen treu Kommen zurück aufs neu; Nicht so der Liebe Glück, Ach, es kommt nicht zurück – Schön, doch nicht treu! Kann Lieb‘ so unlieb sein, Von mir so fern, was mein? Kann Lust so schmerzlich sein, Untreu so herzlich sein? O Wonn‘, o Pein! Phönix der Lieblichkeit, Dich trägt dein Fittig weit Hin zu der Sonne Strahl, Ach was ist dir zumal, Mein einsam Leid!
Die eine Klage Wer die tiefste aller Wunden Hat in Geist und Sinn empfunden, Bittrer Trennung Schmerz; Wer geliebt, was er verloren, Lassen muß, was er erkoren, Das geliebte Herz, Der versteht in Lust die Tränen Und der Liebe ewig Sehnen Eins in Zwei zu sein, Eins im Andern sich zu finden, Daß der Zweiheit Grenzen schwinden Und des Daseins Pein. Wer so ganz in Herz und Sinnen Konnt‘ ein Wesen liebgewinnen, O! den tröstet’s nicht , Daß für Freuden, die verloren, Neue werden neu geboren: Jene sind’s doch nicht. Das geliebte, süße Leben, Dieses Nehmen und dies Geben, Wort und Sinn und Blick, Dieses Suchen und dies Finden, Dieses Denken und Empfinden Gibt kein Gott zurück.
Liebe O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen! In Zagheit Mut! in Freiheit doch gefangen. In Stummheit Sprache, Schüchtern bei Tage, Siegend mit zaghaftem Bangen. Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben, Genießend schmachten, Nie satt betrachten Leben im Traum und doppelt Leben.
Der Knabe O Blümelein Vergißmeinnicht! Entzieh dich meinem Auge nicht. Ihr, Veilchen! Nelken! Rosen! Auf euch verweilt der Sonne Licht, Als wollt es mit euch kosen; Doch wenn die Sonne tiefer sinkt, Wenn Nacht die Farben all verschlingt, Da reden süße Düfte Von eurem stillen Leben mir Und die vertrauten Lüfte Die bringen eure Grüße mir. Doch ach! Vergißmeinnicht, von dir Bringt nichts, bringt nichts mir Kunde. Sag, Blümlein, lebst dem Aug du nur? Flieht mit den Farben jede Spur Mir hin von deinem Leben? Hast keine Stimm, die zu mir spricht Wenn Schatten dich umgeben? Vergißmeinnicht Die Stimme ach Süßer, die hab ich nicht. Doch trag ich den Namen Vergißmeinnicht, der, wenn ich auch schweige, dem Herzen spricht.
Die wahre echte Liebe ist meist eine unglückliche Erscheinung, man quält sich selbst und wird von der Welt misshandelt.
Hochrot Du innig Rot, Bis an den Tod Soll meine Liebe Dir gleichen, Soll nimmer bleichen, Bis an den Tod, Du glühend Rot, Soll sie Dir gleichen.
Zwei Augen wie Sterne Die sähen so gerne Das wonnige Licht, Und dürfen es nicht; Die hellen Karfunkeln Die könnten verdunklen Das sonnige Licht, Und dürfen es nicht. O Liebesverlangen! In Kerker gefangen, Sind die Augen so minniglich, Die Lippen so wonniglich, Die Worte die milden, Die Locken so gülden, Es bricht mir das Herz Vor Leidmuth und Schmerz. Ich sehe bis an den Tod Die Lippen rosinroth Und sollt ich nimmer genesen, Dächt ich doch an ihr minniglich Wesen, An ihr Blicken so mild, An das schönste Frauenbild, Und sollt ich Schmach und Tod erwerben Das Mägdlein minnt ich und sollt ich sterben.
… daß ich in einer armen, niedrigen Hütte schwarzes Brod mit dir esse und gesundes Wasser mit dir trinken will, und eben so glücklich und vielleicht glücklicher sein werde als im Glanz der Welt.
Wer irgendeine Art von Religion zur Stütze seiner Sittlichkeit bedarf, dessen Moralität ist nicht rein, denn diese muß ihrer Natur nach in sich selbst bestehen.