Leon Vandersee
Du bist mir gut, doch du liebst mich nicht, so kühl und so ruhig bleibt dein Gesicht, ganz unbewegt - wenn heiß dich mein brennender Mund geküßt, ob dann wohl das Herz - ach wie gern ichs wüßt - dir wilder schlägt? Wir ließen die Rosen am Strauch verglühn, nun ist die Zeit, da die Herbstastern blühn - du siehst sie kaum - zur schimmernden Ferne schweift still dein Blick, erfaßt dich Sehnsucht? Ahnst du das Glück? Lockt dich ein Traum? ...
Gib mir den Goldpokal und laß mich trinken, trinken in flammendheißer Lust verglühn, vergehn, versinken! Sündhaft sind deine Lippen, die also süß gesprochen, verflucht die blassen Hände, die meinen Stolz zerbrochen. O diese Nacht, die eine, die wars, nun hilft kein Beten, Mörder! Du hast meine fromme, heilige Liebe zertreten!
Arbeit! Komm, ernste Freundin, meine Trösterin, du Segenshort in ruhelosen Tagen, ersehnte Zuflucht, Allerbarmerin, hilf mir des Lebens Bürde weiter tragen. Leid drückt mein Herz! Soll ich der Last erliegen? sieh, wie gebrochen und verzagt ich bin! bei dir ist Heil, hilf meinen Gram besiegen und gib mir Frieden, stille Trösterin!
Wenn ich tot bin In der Truhe liegt ein weißes Kleid und ein grünes Kränzlein dicht daneben – meine Mutter hat es mir gegeben, meine Mutter tut mir gar so leid. "Trag' mein lebelang kein Festgewand, nie wird mich die Myrtenkrone schmücken" – Ging die alte Frau Zypressen pflücken, drückte sie mir weinend in die Hand. Meine Mutter bracht' es fast ins Grab, daß die Leute so verächtlich taten, weil der Herzgeliebte mich verraten, unserm Kinde keinen Namen gab. "Wenn ich tot bin, Mutter, nimm das Kleid und das Myrtenkränzlein aus der Truhe, tu mir ab die schweren Wanderschuhe, lege mir den Hochzeitsstaat bereit. Bald, ich fühl's ist meine Zeit dahin – liebe Mutter, darfst nicht um mich klagen – wenn die Leute kommen nach mir fragen, sag' – daß ich bei meinem Kinde bin…"
Wenn ich gestorben bin Laß mich noch einmal deine Lippen küssen, so Mund an Mund in sehnsuchtsvoller Pein, mein Liebstes du, eh wir uns trennen müssen, will ich noch einmal reich und glücklich sein. Heut glüht dir noch der rote Blütensegen – wohin ist morgen all der Duft und Glanz? Wenn ich gestorben bin – dann wirst du legen still auf mein Grab den weißen Rosenkranz.