Nach der Liebe verlangt doch jede und die braucht doch jedes Weib, das eines bleiben will.
Dauer der Liebe Er: Du hast geliebt! O, leugne nicht! Ganz sicher bin ich dessen. Sie: Ich hätt' geliebt? Besinn' mich nicht, Und wenn, ich hab's vergessen. Er: So hältst du Treu', so haltst du Lieb'? Vergißt, wer dachte deiner? Sie: Mein Freund! Er ging, doch wenn er blieb, Gedächt' ich heut noch seiner. Er: Wenn du so schnell Vergessen treibst, Wer wird mit dir es wagen? Sie: Je nun, mein Freund, solang du bleibst, Hast du nicht Grund zu klagen. Es schärft die Zeit der Lieb' Gewalt, Man schätzt sich stets genauer, Und wird mit uns erst einer alt, So kriegt die Liebe Dauer.
Das war die Zeit Du willst's, so sei der Schwur erneuert, Vergessen sei, was uns entzweit, Zu höchst und aber höchst beteuert Sei unsrer Liebe Innigkeit! Doch was vom sichern Port gesteuert Uns einst in Hohe See voll Leid, – Das war die Zeit, mein Kind, die Zeit! Das war ein eifrig Phrasensammeln, Um an des Fühlens Ewigkeit Den Glauben in uns aufzusammeln, Und doch, nach wen'ger Jahre Streit, So wie aus Kindermund ein Stammeln, Erschien die Überschwenglichkeit. – Das that die Zeit, mein Kind, die Zeit! An Leib und Seele umgestalten Kann uns der Jahre Flüchtigkeit, Ei, hielten wir es noch im Alten, Dir stünd' die Thräne nimmer weit, Du ziehst die Stirne nur in Falten Und deren Spur, sie macht sich breit, – Das that die Zeit, mein Kind, die Zeit! Nicht umzudeuten, nicht zu brechen. In dieses Lebens Wechselstreit Ist nur ein einziges Versprechen, Ist nur ein einz'ger heiliger Eid: Verheisset Nachsicht allen Schwächen Und schwört Erbarmen jedem Leid, – Das trifft zur Zeit, zu aller Zeit! O, schwöre nicht, verlang kein Schwören. Des Augenblickes Lieblichkeit Verhänge nicht mit Trauerflören. O, zwinge nicht in bangem Leid Auf jenen leisen Schritt zu hören, Mit dem sich naht und uns entzweit, – Wie einst, die Zeit, mein Kind, die Zeit !
Volksweise Was ist es mit dem Leben Doch für 'ne arge Not, Muß leiden und muß sterben Zuletzt den bittern Tod. Kam ich doch auf die Erden Ganz ohne Wunsch und Will', Ich weiß es nicht von wannen Und kenn' nicht Zweck und Ziel. Es tritt die bunten Auen Nur einmal unser Fuß, Für kurze Zeit nur tauschen Wir Händedruck und Gruß. Und was uns auch von Freuden Und Leiden zugewandt, Das mehret und das mindert Sich unter Menschenhand. Drum lasset uns in Freundschaft Einander recht verstehn Die kurze Strecke Weges Die wir zusammen gehn!
Die Ruine Was war da versammelt für Herrlichkeit? Was hat da verblutet für Herzeleid? Da war aller Lust, allem Leide gerecht Im Kommen und Gehen manch stolz' Geschlecht Vor alter Zeit! Die Mauern, die öden, sie ragen weit, Kein Hall mehr in ihnen von Lust noch Streit; Die Chronik erzählet wohl manche Mär', Die Steine verschweigen Nutz und Lehr' Aus alter Zeit! Und wenn dann dich, Wandrer, hinabgeleit't Die Wehmut ob menschlicher Nichtigkeit, Bedenke, wie wenig an Frist vergeht, So wird auch veröden die unsre Statt' Gleich alter Zeit! Der Ort, wo du liefest im Kinderpfaid, Der Hain, wo du küßtest die erste Maid, Der Saal, der einst Zechern das Echo gab, Veröden, sowie auch dein Mal am Grab, Alt deine Zeit! Dann wallen wohl andre von Wegen weit Den Stätten zu unsrer Vergangenheit Und seufzen, wie einst wir, aus banger Brust: Wie sind wir der Sonne so kurz bewußt, Wie keine Zeit!
An Leib und Seele umgestalten Kann uns der Jahre Flüchtigkeit.
Der Mensch tut nicht alles aus sich selbst, er arbeitet auch dem Schicksal in die Hände.
Wer den Mut hat, mit dem Schicksal zu ringen, der ist ein geborener König unter den Menschen.
Auf Erden kann es kein lieberes Anschauen geben, als neben einem rechten Mann ein rechtes Weib.
Wenn man alt wird, da hält man sich an das Gegebene und respektiert die Tatsachen.
Die Wirklichkeit wenig bekannt ist. Der Frühling ist Winters arglistiger Trug, Im Wein steckt nicht Wahrheit noch Rebe, Das Weibergeschlecht ist auch heuttags zu klug, Daß Herz gegen Herze es gebe! Die Jungen sprechen: Verehrter Kollege, Ihr selber nur schwärmt: Ihr schmähet den Lenz, weil Ihr kalt seid, Den goldenen Wein, der Euch nimmer erwärmt, Die Frauen, für die Ihr zu alt seid! Wir beugen ergebenst uns mit Reverenz Vor solcher erhabener Tugend, Doch singen die Liebe, den Wein und den Lenz Wir fürder der fröhlichen Jugend. Ei, lasset's in rüstigern Tagen doch auch, Zu müh'n Euch um Nachwuchs an Jungen; Wenn er einmal abstirbt der löbliche Brauch, So haben wir bald ausgesungen! Der Alte: Ei, merktet ihr denn nicht am zwinkernden Aug', Daß ich euch nur schraubte, ihr Herren, Und anderes besser zu predigen taug' Als wie der Enthaltsamkeit Lehren?! Wenn ringsum die Lande im sonnigen Schein, Dann lasset in fächelnder Lauben Mich sitzen, den funkelnden Römer voll Wein, – Doch sei es ein Trank auch aus Trauben! – Und schafft mir ein Mädchen an Seite, das lacht Zum Kusse von bärtigem Munde, Und wenn mich das alles nicht jung wieder macht, Mögt ihr mich begraben zur Stunde!
Wenn ich meine Werke überdenke und betrachte, so merke ich erst, wie jung ich war und wie jung ich leider noch bin; wenn ich aber meine Zeitgenossen betrachte, so merke ich zu meinem Leidwesen, daß die Herren jünger sind.
Die Götter sterben – aber der Gott im Menschen, der sich auflehnt gegen das Häßliche, Verderbliche, Gemeine, der stirbt nicht.